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Reisebericht aus Deutschland vom 02.08.02 (rsbrt0005) 
Kleine Pannen ganz am Anfang...
 
von: Donaueschingen (685 üNN)

über:

nach: Beuron (625 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 68.05 km

Fahrzeit: 02:55:45 h

Stehzeit/Pausen: 00:47:35 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 23.24 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 18.29 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 48 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 50 m

Abwärtsfahrten gesamt: 110 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -60 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: windstill

mittlere Temperatur: 24°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Meine Mutter sagt, kleine Pannen ganz am Anfang sind ein gutes Ohmen für den Rest der Tour: auf dem Weg zum Kölner Hauptbahnhof bleibe ich nach etwa einem Kilometer mit dem Lenker an einem Sonnenschirm hängen und lege ich mich direkt erst mal quer auf den Bürgersteig. Gott sei Dank: nur ein kleiner Schrammer am Bein.

Nachdem ja nun die Bahn meine Reservierung verschlampt hat und ich drei Stunden später fahren muss, bliebt für meine allererste Etappe ab Donaueschingen nicht mehr viel Zeit. Die Donauquelle erweist sich zunächst als außerordentlich unspektakulär, so dass ich erst drei mal daran vorbei gefahren bin und unmittelbar davor gerade nach dem Weg fragen wollte, als ich dann kapiert habe, dass also dieser Betonbottich die Donauquelle ist. Aber egal. Hauptsache ich war da. Am Rand ist eine Inschrift eingemeißelt: "2850 km bis zum Meere". Ein irres Gefühl, dort zu stehen und zu denken: da fahre ich jetzt hin! - Ich verspüre ein Mitteilingsbedürfnis. Kurz überlege ich, ob ich zu der Dame, die da so herumsteht, trotz sicherlich unvorhandenem Intreresse sagen soll "Ich fah' jetzt ans Schwarze Meer!". Ich entschließe mich aber doch dagegen.

Die Donau bemüht sich schon am Anfang nicht um Bescheidenheit: links und recht ragen steile Felsen in den Himmel - das Tal ist grün und verlassen, keine Bundesstraßen wie an Rhein und Mosel, und nur eine Bimmelbahn, wo so alle zwei Stunden ein modernerer Schienenbus vorbeirattert.

Bei Beuron lasse ich mich am Donauufer nieder. Mit einem großen Gefühl von Wohligkeit und voller Erwartung der Dinge, die wohl ab jetzt kommen.
 
Reisebericht aus Deutschland vom 03.08.02 (rsbrt0006) 
Der erste Regen
 
von: Beuron (625 üNN)

über:

nach: Wiblingen (485 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 127.26 km

Fahrzeit: 06:01:11 h

Stehzeit/Pausen: 02:44:22 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 21.15 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 14.53 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 57 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 80 m

Abwärtsfahrten gesamt: 220 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -140 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: leichter Rückenwind

mittlere Temperatur: 24°C



Sonstiges



Pannen: Panne an Rahmen/Stabilität

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Gleich am ersten Morgen trommelt ein gemütlicher Regen ein Aufweck-Lied auf dem Zelt. Ich drehe mich also nochmal um um warte darauf, dass der Song verklingt. Tut er dann auch bald. Gleich erwischt mich die erste Bremse. Doch dank eines verschreibungspflichtigen Kortisons ist der linsengroße Stich nach einer halben Stunde verschwunden. Ein Hoch auf die Pharmaindustrie!

Die ersten 200 Meter führen gleich einen steilen Hang hinauf... spüre ich da etwa Muskelkater? Unfassbar. Nach zwei Wochen Geld ranschaffen am Schreibtisch scheint das ganze Trainingsprogramm von vorher umsonst gewesen zu sein. Aber die Etappe fährt sich gut. Die fantastische Landschaft von gestern setzt sich zunächst noch fort, bis dann etwas nachlässt.

Nach einigen Kilometern höre ich ein unschönes Geräusch von irgendwo vorne am Fahrrad. Nach noch ein paar Kilometern wird es lauter. Was tut man bei unschönen Geräuschen am Fahrrad? Klar: Walkman aufsetzen. Irgendwann hört es sich dann an wie so eine Steinbrechmaschine, die man auf Abrissbaustellen benutzt um die Schuttbrocken zu verkleinern. Da hilft auch der Walkman nicht mehr - ab in die Werkstatt. Ein äußerst attraktiver, kleiner Schwabe nimmt meine vordere Nabe auseinander und schwäbelt dabei irgendwas herum. Ich verstehe kein Wort, grinse ihn ihn-süß-findend an und freue mich, dass mein Fahrrad anschließend wieder fährt wie ein Fuchs.

Die Nacht verbringe ich 15 km vor Ulm an einem See im Naturschutzgebiet - sehr hübsch. Morgen früh treffe ich in Ulm meine beiden Mitfahrer. Ich bin tiiiierisch gespannt.

 
Reisebericht aus Deutschland vom 04.08.02 (rsbrt0007) 
Das Zusammentreffen mit den unbekannten Mitfahrern
 
von: Wiblingen (485 üNN)

über: Ulm

nach: Bauernhansenschwaige (403 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 108.39 km

Fahrzeit: 05:26:24 h

Stehzeit/Pausen: 03:48:37 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 19.93 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 11.72 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 43 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 30 m

Abwärtsfahrten gesamt: 112 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -82 m



Wetter



Witterung: Nieselregen/Schauer

Wind: Windverhältnisse durchwachsen

mittlere Temperatur: 20°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Nach kurzem Sightsseing in Ulm treffe ich meine beiden Mitfahrer am Ulmer Münster. Einen kannte ich ja schon, der andere scheint auch ganz nett zu sein. Wir starten gemächlich - mich beschleicht schon jetzt ein erstes Gefühl, dass mir irgendwann eventuell mal nicht schnell genug gehen könnte. Zwei mal ziehen heftige Schauern vorüber, die aber nur kurzweilig sind. Wir stellen uns unter und bleiben trocken. Die Stäcdtchen Günzburg, Lauingen und Dillingen bieten das eine oder andere Fotomotiv - viel mehr aber auch nicht.

Kurz hinter Dillingen gibt es einen heftigen Knall: Gregors Hinterreifen ist geplatzt, der Mantel hinüber. Zweifellos eine absolut unnötige Panne - entsprechend muss ich etwas die Zähne aufeinanderbeißen. Trotz Sonntag finden wir (besser: ich) nach einigem Suchen einen emsigen Fahrradladenbesitzer, der auch Sonntage in seiner Werkstatt verbringt. Es kann weiter gehen, auch wenn der Zustand der beiden Fahrräder meiner Mitfahrer mir auch weiterhin Sorgen machen wird.

Abends zieht erneut ein Unwetter auf, diesmal ein ausdauernderes. Wir stellen uns bei einem Bauern unter, der uns schlussendlich sogar in seinem Innenhof schlafen lässt. Schau an: es gibt also sogar in Bayern so was wie Gastfreundschaft.

 
Reisebericht aus Deutschland vom 05.08.02 (rsbrt0008) 
Schon die Mitfahrer wieder verschwunden
 
von: Bauernhansenschwaige (403 üNN)

über:

nach: Regensburg (335 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 159.57 km

Fahrzeit: 07:37:41 h

Stehzeit/Pausen: 02:37:22 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 20.93 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 15.57 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 65 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 120 m

Abwärtsfahrten gesamt: 188 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -68 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: Windverhältnisse durchwachsen

mittlere Temperatur: 26°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Der Tag beginnt ohne Frühstück am Zelt. Mir ein Dorn im Auge, denn frühstücken am Zelt ist obligatorisch. Nur haben die beiden Mitfahrer nicht bedacht, dass auf einen Samsdtag mitunter ein Sonntag folgt und haben kein proviant dabei. Also brechen wir mit knurrenden Mägen auf und nehmen einen kleinen Snack im nächsten Ort ein. Der gastgebende Bauer sponort noch 10 Eier. Nett.

Nach ein paar Kilometern war da dann so ein Berg, also bergab, und so ein fantastischer Rückenwind. Daher auch die Maximalgeschwindigkeit von 65 km/h, die der Anhänger natürlich wie immer anstandslos mitgemacht hat. Nur waren plötzlich meine beiden Mitfahrer verschwunden... Was tun? Bremsen? Anhalten? Warten? Och nöö, denke ich, ich fahre ein paar Meter vor. Und dann noch ein paar. Und irgendwie hatte ich plötzlich so recht keine Lust mehr zu warten - nicht zuletzt, weil ich gestern abend festgestellt habe, dass mein Etappenplan knapp bemessen ist und ich mich nicht zu lange aufhalten lassen sollte. Nun bin ich also schon im hübschen Regensburg und muss die beiden wohl gleich dringend mal kontaktieren. Ob die mich in den nächsten Tagewn wieder einholen? Ich habe Zweifel... Also doch alleine durch Serbien und Rumänien. Auch Zweifel. Hmm, mal drüber schlafen.

Am 26.8. hätte ich jedenfalls die Möglichkeit, mich einer Fahrradreisegruppe durch die Karpaten anzuschließen. Das ist verdammt reizvoll. Es bleibt also alles spannend.

 
Reisebericht aus Österreich vom 06.08.02 (rsbrt0009) 
Der große Regen beginnt
 
von: Regensburg (330 üNN)

über: Passau

nach: Obernzell-Kohlbachmühle (290 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 166.80 km

Fahrzeit: 07:50:31 h

Stehzeit/Pausen: 03:29:18 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 21.27 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 14.72 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 39 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 0 m

Abwärtsfahrten gesamt: 40 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -40 m



Wetter



Witterung: Nieselregen/Schauer

Wind: leichter Rückenwind

mittlere Temperatur: 20°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Beim Frühstück am Donauufer erreicht mich die SMS eines meiner verlorenen Mitfahrer mit dem Vorschlag, sie in Regensburg zu treffen. Dazu müsste ich aber zurückfahren,da ich an Regensburg schon vorbei bin - ich entschließe mich dagegen. Ein frischer Rückenwind schiebt nicht nur mich, sondern auch eine offenbar heftige Regenfront vor sich her, die ich beim Blick nach hinten am Horizont sehen kann. Am Zusammenfluss von Inn und Donau in Passau, ab wo die Donau spätestens ein gewaltiger Strom ist, holt der Regen mich ein. Ich bin tapfer bis zu einem Campingplatz direkt an der Donau. Dort dann gibt es Abendessen unter dem Vordach der Damentoilette. Der Regen macht den Eindruck, dass er vorerst nicht vorhat, wieder auszusetzen...

 
Reisebericht aus Österreich vom 07.08.02 (rsbrt0010) 
Gemeinsames Kochen - - auf dem Klo
 
von: Obernzell-Kohlbachmühle (290 üNN)

über:

nach: Linz (259 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 83.71 km

Fahrzeit: 03:53:39 h

Stehzeit/Pausen: 00:34:14 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 21.49 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 18.75 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 40 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 0 m

Abwärtsfahrten gesamt: 31 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -31 m



Wetter



Witterung: sintflutartige Regenfälle

Wind: leichter Gegenwind

mittlere Temperatur: 15°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Es prasselt an diesem Morgen der gleiche oberösterreichische Monsunregen auf das Zelt wie noch am Abend zuvor. Also gibt es auch das Frühstück wieder vorm Damenklo. Ich will nicht so viel Zeit verlieren, außerdem ist der Campingplatz recht teuer. Also beschließe ich, tapfer zu sein und weiter zu fahren - und zwar die ganze Etappe in Badeschlappen, damit die Schuhe nicht nass werden. Kann ich meinem Privatinspekteur Jan doch noch danlbar sein, dass er die Klickpedale kaputt repariert hat und ich jetzt die Kombis habe!

Die Etappe führt durch ein Bilderbuch - so schön, dass ich den unermüdlichen Regen zwischendurch einfach vergesse. Links und rechts der Donau erheben sich steile, bewachsene Hänge. Keine Straßen, keine Eisenbahn. Und bei diesem Wetter bin ich ganz alleine in diesem Tal. Irgendwie fühle ich mich herrlich geborgen in dieser Einsamkeit.

Auf dem Campingplatz hinter Linz herrscht angesichts der Sintflut lustige Solidarität. Auf dem Klo wird gemeinsam gekocht... ein wahrhaft geselliger Abend.

 
Reisebericht aus Österreich vom 08.08.02 (rsbrt0011) 
Die Sintflut zeigt ihr ganzes Ausmaß
 
von: Linz (259 üNN)

über:

nach: Melk (220 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 119.52 km

Fahrzeit: 06:00:13 h

Stehzeit/Pausen: 03:11:57 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 19.92 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 12.99 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 66 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 300 m

Abwärtsfahrten gesamt: 339 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -39 m



Wetter



Witterung: bewölkt

Wind: Windverhältnisse durchwachsen

mittlere Temperatur: 19°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Endlich wird der Regen weniger. Es hat jetzt 35 Stunden ununterbrochen geschüttet. Nach 20 km weißt ein Schild den Weg zum ehem. KZ Mauthausen. Ich bin 26 Jahre alt, deutscher Staatsbürger und habe noch nie ein ehem. KZ besichtigt. So viel Zeit muss sein, denke ich und strampele den mühsamen Berg hinauf. Ein Nieselregen bringt mich in Stimmung. Im KZ ist es merkwürdig: die Leute reden, erzählen, lachen, fotografieren, holen sich sogar Kaffee vom Kaffeeautomat. Mir fehlt jedes Verständnis. Ich gehe mehrmals an der "Klagemauer" mit den Gedenktafeln vorbei. Mir fällt besonders die von den "homosexuellen Initiativen Österreichs" auf, sie ist großzügig gestaltet. Nach einem wenig schönen aber lehrreichen Aufenthalt fahre ich unter Tränen weiter - und genieße den ausklingenden Nieselregen.

Im weiteren Verlauf wird mir das Ausmaß der vergangenen Regenfälle bewusst: es ist Hochwasser, einige Orte hat es katastrofal erwischt. In "Albern" rettet die Feuerwehr gerade mittels Schlauchboot eine Frau aus ihrem Haus. Da der Radweg versunken ist, fahre ich diese Etappe komplett auf der Bundesstraße 1, einer stinkenden Rennbahn für bekloppt gewordene Hobby-Rennfahrer. Das schöne Stück Donautal von Linz nach Melk - der Wettergott wollte es mir nicht zeigen. Schade.

 
Reisebericht aus Österreich vom 09.08.02 (rsbrt0012) 
Ankunft in Wien - die erste Tagespause
 
von: Grimsing (220 üNN)

über: Wien

nach: Klosterneuburg (165 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 136.02 km

Fahrzeit: 06:41:53 h

Stehzeit/Pausen: 01:58:20 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 20.33 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 15.70 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 39 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 40 m

Abwärtsfahrten gesamt: 95 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -55 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: leichter Gegenwind

mittlere Temperatur: 28°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Diese Nacht habe ich 50 m von einer Bundesstr. entfernt gezeltet. Horror? Nö. Die war ja wegen Hochwasser gesperrt. Mir entgegenkommende Radfahrer berichten nun, dass sie jetzt wieder passierbar ist, zumindest bis Krems. Die Hochwasserkatastrophe führt unter den Radfahrern zu einem angenehmen "Solidaritätsgefühl". Überall stehen sie zusammen und beraten sich gegenseitig.- Und tatsächlich: bis Krems ist der Radweg entlang der noch gesperrten Bundesstraße frei. Eigentlich Glück - so bleibt mir der Lärm und Gestank der Autos erspart. In Krems sieht es übel aus. Menschen stehen verzwifelt drein guckend vor ihren in Schlamm getauchten Häusern. Auch ich bleibe tief im Hochwasserschlamm stecken. Die Feuerwehr hat überall alle Hände voll zu tun. Ich denke kurz an den Campingplatz in Kohlbachmühle vor zwei Tagen - den dürfte es auch erwischt haben, der war direkt am Wasser. Gut, dass ich aufgebrochen bin.

Am Nordufer fahre ich schließlich nach Wien hinein, um dann festzustellen, dass Wien keinen zentrumsnahen Campingplatz besitzt. Also fahre ich am Südufer zurück nach Klosterneuburg. Der hat zwar seinen Preis, bietet aber auch gewissen Komfort. Auf den letzten, sinnlosen 20 Kilometern ist sie deultich zu spüren, die Vorfreude: endlich meine erste Tagespause. Die habe ich mir jetzt auch verdient.

 
Reisebericht aus Österreich vom 09.08.02 (rsbrt0013) 
Sightseeing in Wien
 
von: Klosterneuburg (165 üNN)

über:

nach: Wien (160 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 11.04 km

Fahrzeit: 00:29:47 h

Stehzeit/Pausen: 00:00:17 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 22.56 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 22.33 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 33 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 0 m

Abwärtsfahrten gesamt: 5 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -5 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: leichter Gegenwind

mittlere Temperatur: 22°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Ich treffe mich mit meinem Ex-Arbeitskollegen Alex und seiner Freundin Vanessa in Wien. Die beiden haben freundlicher Weise mein Paket dabei, das ich zuvor nach Wien geschickt hatte. Ab jetzt ist mein Gepäck noch um einige Straßenkarten und ein Paar Trekking-Sandalen schwerer.

Mir wird eine Crash-Sight-Seeing-Tour per Auto und zu Fuß zuteil. Genau das richtige zur Einstimmung. Wien ist bombastisch. Die alten Prunkbauten nehmen einfach kein Ende. Eine wahrhaft großzügig gestaltete Stadt. Dann gibt es noch ein Erfrischungsgetränk am Donaukanal und zu guter Letzt muss ich nicht einmal zurück zum Campingplatz radeln - ich werde chauffiert. Was für ein Service!

 
Reisebericht aus Österreich vom 10.08.02 (rsbrt0014) 
Die Tagespause bringt eine skurrile Überraschung
 
von: Klosterneuburg (165 üNN)

über: Wien

nach: Klosterneuburg (165 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 41.32 km

Fahrzeit: 02:30:29 h

Stehzeit/Pausen: 00:00:00 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 16.49 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 16.49 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 35 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 0 m

Abwärtsfahrten gesamt: 0 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: Windverhältnisse durchwachsen

mittlere Temperatur: 25°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Hab mir heute einen netten Ruhetag in Wien gemacht: Sightseeing mit dem Fahrrad und ein paar kleine Wartungsarbeiten an der Schaltung vor einem Fahrradladen. Danach läuft sie wieder wie Gott. Die Pflege war nötig nach all dem Regen und Schlamm.

Schließlich Siesta auf einer hübschen Wiese mit Blick auf diverse Sehenswürdigkeiten, deren Namen ein guter Tourist natürlich sofort herunterrattern könnte. Leider bin ich kein guter Tourist - zumindest kein guter Städtetourist. Auf der Rückfahrt treffe ich auf dem Radweg zufällig einen (!) meiner beiden Ex-Mitfahrer. Es reicht leider für nicht mehr als einen kleinen, lächerlichen Twist. Am Abend sind nun meine Notfallreserven (5-Minuten-Terrine, Klopapier und Autan) wieder aufgfüllt und die Wäsche komplett gewaschen. Es kann also morgen losgehen in den Osten - über die Grenze in die Slovakei oder nach Ungarn - je nach gewähltem Donauufer. Jetzt wird es langsam spannend!

 
Reisebericht aus Ungarn vom 11.08.02 (rsbrt0015) 
Auf in den Soft-Osten
 
von: Klosterneuburg (165 üNN)

über: Mosonmagyarovar

nach: Gyõr (127 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 197.68 km

Fahrzeit: 09:28:32 h

Stehzeit/Pausen: 02:32:07 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 20.87 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 16.46 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 37 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 0 m

Abwärtsfahrten gesamt: 38 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -38 m



Wetter



Witterung: Nieselregen/Schauer

Wind: leichter Gegenwind

mittlere Temperatur: 20°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Könnte langsam schwierig werden, meine eigenen Etappenrekorde nochmal zu toppen...



Tagebuch :



Keine Ahnung, womit ich diesen unerbittlichen Zorn des Wettergottes auf mich gezogen habe... Die bevorstehenden Regenguesse sind das vorherrschende Thema auf dem Campingplatz. Ich verabschiede mich vom Zeltnachbar mit den Worten "auf in die naechste Sintflut". Zwischen Wien und Hainburg dann eine aehnliche Herausforderung wie Pfahlsitzen: es geht 30 km schnurstracks geradeaus über einen schnurstracks geraden Damm. Natürlich mit Gegenwind.

In Hainburg - kurz vor der Grenze - tanke ich noch einmal Benzin für den Kocher, Wasser und eine Pizza - als ob es dahinter nichts mehr gaebe. Dabei ist Ungarn so westlich wie es nur sein kann, sogar die verkehrsschilder sind gleich und die Tankstellen vergleichbare Supermaerkte. Wegen des Hochwassers versuche ich erst gar nicht, am Ufer zu fahren und nehme die Route landeinwaerts über Györ. Für Sightseeing habe ich angesichts des immer wieder strömenden Regens aber keine Nerven.

 
Reisebericht aus Ungarn vom 12.08.02 (rsbrt0016) 
Der erste ernsthafte Tiefpunkt
 
von: Gyoer (Ungarn) (127 üNN)

über: Esztergom

nach: Pilismarot (Donauknie) (110 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 126.31 km

Fahrzeit: 06:30:12 h

Stehzeit/Pausen: 03:10:56 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 19.41 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 13.04 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 47 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 70 m

Abwärtsfahrten gesamt: 87 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -17 m



Wetter



Witterung: Nieselregen/Schauer

Wind: leichter Gegenwind

mittlere Temperatur: 19°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Mein Tag beginnt mit ungarischem Roulette: der Geldautomat bietet mir mehrere fuenf- und sechsstellige Betraege an. Ich entscheide mich in der Mitte. Bin ich jetzt ein reicher Mann oder kann ich mir jetzt einen Schokoriegel kaufen? Ich habe keine Ahnung!

Den gesamten Vormittag fahre ich dem Wind und dem Regen entgegen. Es kostet mich einen ersten, ernsten Tiefpunkt. Kaempfe ich nur noch gegen die drei Monster, die da waeren Hochwasser, Regen und Gegenwind? In den letzten Tagen ging es nicht mehr darum, einen schoenen Fluss zu sehen, sondern darum, tapfer zu sein und trotz aller Umstaende Strecke zu schaffen, um mein Ziel, das schwarze Meer, nicht aus dem Auge zu verlieren. Mittags hellt es etwas auf. Da geht es wieder besser.

Eine weitere Motivationsbremse: ich wollte heute eigentlich Budapest erreichen, stelle aber fest, dass ich in dem vor Naesse verklebten Radtourenbuch ein Kapitel mit 75 km uebersehen habe.

Heute morgen hiess es am Campingplatz ziemlich schroff, ich haette noch nicht bezahlt. Der Irrtum laesst sich schnell aufklaeren. Spaeter haelt ein LKW voll auf mich zu, weil er der Meinung ist, dass ich die Bundesstrasse nicht mit dem Fahrrad benutzen soll.

Die Etappe fuehrt weite Strecken ueber Bundesstrassen und die Ungarn heitzen wie die Berserker. Ich bin dankbar, den Walkman dabei zu haben.

Abends schlage ich mein Zelt auf einem eigentlich geschlossenen Campingplatz unweit des Donauknies auf. Eine ungarische Familie ist auch schon dort. Der Sohn hilft mir beim Zeltaufbau im stroemenden Regen. Da ist sie ja endlich - die ungarische Gastfreundschaft!

 
Reisebericht aus Ungarn vom 13.08.02 (rsbrt0017) 
Ankunft in Budapest - immer noch im strömenden Regen
 
von: Pilismarot (Ungarn, Donauknie) (110 üNN)

über: Szentendre

nach: Budapest (100 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 59.20 km

Fahrzeit: 02:53:41 h

Stehzeit/Pausen: 00:26:15 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 20.45 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 17.77 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 49 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 20 m

Abwärtsfahrten gesamt: 30 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -10 m



Wetter



Witterung: Nieselregen/Schauer

Wind: leichter Rückenwind

mittlere Temperatur: 18°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Auf den... "sanitaeren Anlagen" des Geistercampingplatzes ist das Wasser abgestellt. Ein herumliegender Karnister mit Donauwasser gefuellt tut aber gute Dienste als Klospuelung.

Die Durchfahrt durch das Donauknie ist sehr huebsch! Bizarre, schroffe Huegel ragen links und rechts der Donau in die Hoehe, ihr Spitzen sind wolkenverhangen. Eine gute Kulisse fuer einen Gruselfilm.

In der 90-Grad-Kurve des Donauknies geht es mit der Faehre auf eine Donauinsel, dort 20 huebsche Kilometer ueber Nebenstrassen. Am Ende der Insel wieder zurueck auf das "Festland" und ploetzlich... schon das Ortseingangschild "Budapest". Der campingplatz ist gleich am Ortseingang. Von der Stadt habe ich noch nichts gesehen. Akustisch hat man hier den Eindruck, das Zelt auf dem Mittelstreifen einer Autobahn aufgebaut zu haben. Ich will nicht mehr nass werden und und verbringe den restlichen Tag daher im Zelt, erneahre mich von Nutella und hole etwas Schlaf nach. Eine Ueberarbeitung des Etappenplans ergibt: ich werde wohl doch immer an der Donau bleiben, auch in Rumaenien - und ich bin gut in der Zeit, sehr gut sogar. Ich freue mich auf ein paar Tage Badeurlaub am Schwarzen Meer.

 
Reisebericht aus Ungarn vom 14.08.02 (rsbrt0018) 
Tagespasue in einer beeindruckenden Stadt: Budapest
 
von: Budapest Campingplatz (100 üNN)

über: Budapest City

nach: Budapest Campingplatz (100 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 30 km

Fahrzeit: 01:15:00 h

Stehzeit/Pausen: 00:00:00 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 23.94 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 24.02 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 25 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 0 m

Abwärtsfahrten gesamt: 0 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: bewölkt

Wind: Windverhältnisse durchwachsen

mittlere Temperatur: 20°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Die ungefaehr siebenundzwanzigspurige Strasse, die vom Campingplatz in die Stadt fuehrt, ist fuer Fahrraeder eigentlich nicht erlaubt. Ich zoegere daher etwas, aber nach ein paar hundert Metern ueberholt mich ein Fahrradkurier - mich und auch ein paar LKWs und Taxen - auf einer der mittleren Spuren und ueberfaehrt dann eine rote Ampel. Alles klar - hab ich kapiert, wie das hier laeuft. - Schon fuehle ich mich ganz wie zuhause - - und gebe Gas. Kurze Zeit spaeter passiere auch ich wie von daheim gewoht ein Rotlicht. Von links und rechts kommen auf vielen, vielen Spuren Autos auf mich zu. Aber keiner hubt. Alle bremsen etwas, lassen mich kurz vorbei und fahren dann weiter, als waere nichts gewesen. Was fuer eine Stadt. Ich will hierbleiben!!

Leider haben die Budapester alle ihre Sehenswuerdigkeiten hinter Baugeruesten und Planen versteckt. Es bleibt nicht viel Potenzial fuer Fotos. Aber beim Cruis'n und Sightseeing en velo bekomme ich wie immer einen schoenen Eindruck vom Budapester Lebensgefuehl und entdecke entzueckende, belebte Gassen, die mir per U-Bahn oder Sight-Seeing-Bus sicherlich entgangen waeren.

Die Stadt zeigt sich glatt noch ein wenig pompoeser als Wien. Es ist unglaublich. warum ist Koeln eigentlich so unertraeglich haesslich...??

 
Reisebericht aus Ungarn vom 15.08.02 (rsbrt0019) 
In der Puszta wird es endlich trocken und warm
 
von: Budapest (Nord) (100 üNN)

über: Csepel-Insel

nach: Baja (99 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 201.92 km

Fahrzeit: 08:37:59 h

Stehzeit/Pausen: 03:01:34 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 23.41 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 17.33 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 42 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 0 m

Abwärtsfahrten gesamt: 1 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -1 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: frischer Rückenwind

mittlere Temperatur: 25°C



Sonstiges



Pannen: Reifenpanne

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Die Ausfahrt aus Budapest erweist sich als noch viel schlimmer als die Einfahrt. Laut einer ungarischen Broschuere gibt es einen Radfernwanderweg nach Mohacs, aber der besteht wohl einfach darin, dass man beschlossen hat, dass es ihn gibt, und nicht darin, dass man ihn gebaut, geschweige denn beschildert haette...

Nach einigen Kilometern geht es ueber eine Bruecke auf die Csepel-Insel, eine Donauinsel, wo 60 huebsche Kilometer auf Nebenstrassen warten (20 davon umsonst, weil ich mich verfranst habe) und viele, viele kleine Paradiese zu entdecken sind. An der suedlichsten Spitze der Csepel-Insel kann man einen Fussgaenegerueberweg zurueck aufs Festland benutzen.

Bald erreiche ich die Bundesstr. 15, die geradeaus bis nach Serbien fuehrt; ein Fall fuer den Walkman. Dann ploetzlich reisst die Wolkendecke auf, die Temperatur steigt sprungartig um acht Grad, Blank & Jones haemmern mir den ATB-Remix von "Don't stop" ins Ohr, die Kompassnadel weisst den Weg geradeaus nach Sueden. ENDLICH BIN ICH IM URLAUB!

Die suedungarische Puszta ist flach und gruen. Sprachlich komme ich mit deutsch eher durch als mit englisch. In Ungarn ist alles ein bisschen billiger als bei uns, aber nicht viel. Und Apfelsaft hat hier 12 Prozent Fruchtsaftgehalt und 5 E-Stoffe drin. Die meistverkauften Produkte sind uebrigens offenbar Autoreifen und Wassermelonen...

 
Reisebericht aus Kroatien vom 16.08.02 (rsbrt0020) 
Mit dem Fahrrad entlang der Minenfelder, Camping unter Ex-Beschuss
 
von: Baja (99 üNN)

über: Mohacs, Zmajevac, Bilje, Osijek

nach: Vukovar (103 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 154.53 km

Fahrzeit: 07:04:27 h

Stehzeit/Pausen: 02:51:44 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 21.86 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 15.56 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 51 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 120 m

Abwärtsfahrten gesamt: 116 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 4 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: frischer Rückenwind

mittlere Temperatur: 31°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Es sind nur noch ein paar Kilometer ueber diese ungarische Bundesstrasse, die keine Spurrillen, sondern Spurschluchten hat. In Mohacs geht es mit einer Faehre ueber die Donau und dann zur kroatischen Grenze. Wohin ich denn wolle, wollen die kroatischen Zoellner wissen. Ans Schwarze Meer, antworte ich. "Optimist!" sagt der Zoellner grinsend.

Etwas hinter Knezevi-Vinogradi holt mich Dennis auf seinem kaputten Mountainbike ein. Wir fahren bis Osijek zusammen. Zur Zeit ist er arbeitslos, aber ab naechsten Monat hat er einen Job als Treckerfahrer. Im Krieg war er Soldat in den Jugoslawen, ist aber zu den Kroaten dissertiert. Kurz vor Osijek kommen wir an einer riesigen, praechtigen, wildgewachsenen Blumenwiese vorbei. Gerade hole ich Luft und will der Wiese ein Kompliment machen, da kommt Dennis mir zuvor. Das da sei eines der grossen Mienenfelder, erklaert er mir. Alle Flaechen, die landwirtschaftlich nicht genutzt werden, seien lebensgefaehrlich. Gut zu wissen fuer einen Camper...

In Vukovar dann die geballt Gewissheit: hier war Krieg. Hier gibt es drei Sorten Hauser: die Ruinen, die vom Krieg heftig gezeichneten, die aber noch bewohnt sind und die ganz neuen. Es ist erschuetternd, wie die Menschen hier hinter den mit Einschussloechern uebersaehten Mauern wohnen...

Ich schlage mein Zelt in einem benachbarten Dorf neben einem heruntergekommenen Fussballplatz auf. Ein Teenager, der den Krieg in Deutschland verbracht hat und daher deutsch kann, zeigt mir den Platz. Direkt neben meinem Zelt steht ein angeschossener Wasserturm. Ein paar Blechteile haengen oben davon herab - eine Art Mahnmal.

 
Reisebericht aus Jogoslawien vom 17.08.02 (rsbrt0021) 
Eine kleine hübsche und eine große hässliche Stadt
 
von: Vukovar (103 üNN)

über: Ilok, Novi Sad, Kac, Titel, Beograd

nach: Novi Beograd (120 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 212.87 km

Fahrzeit: 10:09:00 h

Stehzeit/Pausen: 03:07:49 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 20.97 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 16.03 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 59 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 230 m

Abwärtsfahrten gesamt: 213 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 17 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: frischer Rückenwind

mittlere Temperatur: 30°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Es ist schon etwas merkwuerdig, so verdammt weit weg zu sein, an einem jungen "Kriegsschauplatz", und doch auf das Fahrrad zu steigen und noch weiter weg zu fahren. Ganz kurz frage ich mich, was ich da eigentlich tue und warum - aber den Gedanken verwerfe ich recht schnell. Ich will nun fix nach Jugoslawien rueber, um nicht erst noch Kroatisches Geld tauschen zu muessen.

Novi Sad, eine kleine juoslawische Stadt an der Donau, laedt zum Verweilen ein. Sie ist ein farbenfrohes, gemuetliches Staedtchen mit einer huebschen Einkaufszone und vielen gemuetlichen Strassencafes. Von allen Seiten schallt Musik. Ich habe auch ein Hinweisschild auf einen Campingplatz gesehen. Aber mir reicht der Tachostand fuer heute noch nicht, ich will noch nach Belgrad.

Bei einer Frau mit nur einem Zahn am Strassenrand kaufe ich Gemuese: drei Tomaten und zwei Paprika. Etwas mehr als einen Euro soll ich zahlen. Waehrend ich das Geld herauskrame packt sie mir die Tuete bis oben hin voll mit Tomaten und Paprika. Ich deute ihr an, dass ich davon einen dicken Bauch kriegen werde und wir lachen. Dann verabschieden wir uns in unterschiedlichen Sprachen.

Gegen Abend fahre ich von Norden nach Beograd herein und ueberquere die einzige Donauburecke dort, was fuer einen Radfahrer quasi dem Freitod gleichkommt. Aber ich habe es irgendwie geschafft und campe auf anraten zweier junger Belgrader in einem Park auf einem Huegel in Novi Beogard mit Blick auf die ganze Stadt.

 
Reisebericht aus Jogoslawien vom 18.08.02 (rsbrt0022) 
Belgrad ist kein hübsches Reiseziel
 
von: Novi Beograd (120 üNN)

über: Beograd

nach: Novi Beograd (120 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 35.49 km

Fahrzeit: 02:32:36 h

Stehzeit/Pausen: 00:00:03 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 13.97 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 13.97 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 40 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 0 m

Abwärtsfahrten gesamt: 0 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: windstill

mittlere Temperatur: 30°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Im Hellen verwandelt sich das Lichtermeer in eine unglaublich haessliche Stadt. Es reihen sich Plattenbauten an Plattenbauten. Ich quartiere mich in einem Hotel ein, scheinbar gibt es hier keinen Campingplatz. Dort sortiere ich das Gepeack. Ich werde 5 Kilo zurueckschicken.

Einer der beiden Belgrader von gestern hatte angeboten, mir bei ein paar Wartungsarbeiten am Fahrrad zu helfen. Ich treffe ihn aber nicht an. Auf meine hinterlassene Nachricht meldet er sich nicht. Also pflege ich mein Fahrrad an einer Tankstelle alleine. Etwas Reinigung, neue Bremskloetze, etwas Oel hier und da.

Auf dem Weg in die Stadt verirre ich mich in Belgards Vororte. Die Haesslichkeit ist erschuetternd. Ab jetzt werde ich mich freuen, dass die Ratten in Koeln wenigstens leben und nicht unbeachtet in der Gosse von Maden aufgefressen werden. Der Verkehr hier ist die Hoelle auf Erden. Und wenn ich das sage, soll das was heissen! Busse fahren ungefaehr 70 km/h und halten dabei etwa 8 cm Abstand zu Fahrradfahrern.

In Belgard muss man die wenigen schoenen Stellen inteniv suchen. Huebsch sind beide Ufer der Sava, einem Seitenfluss der Donau, der in Belgrad in die Donau muendet, und die alte Festung oberhalb der Sava-Muendung. In der Innenstadt hat man hier und da tatsechlich einen Baum gefunden unter dem man ein Strassencafe unterbringen konnte. Alles in allem kann ich Belgard als Reiseziel aber leider nicht empfehlen.

 
Reisebericht aus Jogoslawien vom 18.08.02 (rsbrt0023) 
Sonnenuntergangsbad kurz vor der rumänischen Grenze
 
von: Novi Beograd (120 üNN)

über: Pancevo, Kovin

nach: Bela Crkva (120 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 98.15 km

Fahrzeit: 04:28:45 h

Stehzeit/Pausen: 03:21:27 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 21.95 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 12.54 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 42 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 50 m

Abwärtsfahrten gesamt: 50 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: leichter Rückenwind

mittlere Temperatur: 42°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehenangaben ueber NN sind geschaetzt



Tagebuch :



Die Kreditkartenzahlung im Hotel dauert eine halbe Stunde. Das Suchen einer Post eine Dreiviertelstunde, das Verschicken eines Pakets nach Deutschland nochmal so lange. Jetzt bin ich 4,7 Kilo Karten und Regenkleidung los-puhh! Ueber die Belgrader Horror-Donaubruecke geht es wieder ans andere Ufer und dann ueber eine Quasi-Autobahn (die lediglich nicht als Autobahn definiert ist, sich ansonsten aber nicht von einer unterscheidet) geht es nach Pancevo. Danach endlich wieder eine normale Landstrasse. Ploetzlich ein Wetterumsturtz: ein bedrohlich aussehendes Gewitter zieht genau auf mich zu. Der Wind dreht sich stuermisch gegen mich. Die Temperatur stuertzt um 7 Grad. Im gottverlassenen Sumarak suche ich Unterschlupf auf der Terasse eines saloon-artigen Cafes. Offenbar fragt hier selten ein Gast nach Essen - meine Frage loest Irritationen aus. Der Wirt schlaegt mir auf serbisch ein Gericht vor. Ich stimme zu und bin gespannt. Es stellt sich als Ruehrei mit Wurst heraus - 5 mm tief in Oel schwimmend. Aber sonst ganz lecker. Dabei erzaehlen mir der Wirt und zwei Gaeste aus ihrem Leben und von ihren Sorgen...

Hinter diesem Ort folgt dann die Entschaedigung fuer die Haesslichekeit in und um Belgard: die ersten winzigen Vorboten der Karpaten. Eine seichte Huegellandschaft mit viiiiel Platz zum Picknicken und Campen. Kurz vor Bela Crkva gibt es aber sogar einen Campingplatz an einem kleinen See, so dass ich sogar noch einen Sonnenuntergangsbad nehmen kann - fantastisch!

 
Reisebericht aus Rumänien vom 20.08.02 (rsbrt0024) 
Mit Waffen gegen Hunderudel
 
von: Bela Crkva (0 üNN)

über: Kaluderovo, Socol, Moldova, Noua

nach: Berzasca (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 109.14 km

Fahrzeit: 06:22:18 h

Stehzeit/Pausen: 02:19:53 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 17.13 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 12.54 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 37 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 0 m

Abwärtsfahrten gesamt: 0 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: starker Gegenwind

mittlere Temperatur: 37°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehenangaben ueber NN nicht verfuegbar



Tagebuch :



Die Grenze nach Rumaenien ist unproblematisch. Mein Touristenvisum fuer Jugoslawien wird aber einbehalten. Offenbar muss man bei jeder Einreise ein neues kaufen. Gleich dahinter biege ich ab auf die Schotterpiste in Richtung Sokol. Die Haeuser in den kleinen Doerfern sind bunt gestrichen, davor sitzen wie versteinert aeltere Leute. Eine Kutsche brettert durchs Dorf und wirbelt den Staub der Schotterpiste auf. Es fehlt nur noch ein Saloon mit Schwingtuer und ein vorbeiwehender Distelbusch, dann waere der Western perfekt

An der Donau mache eine Pause auf einer Mauer. Wellen rauschen. Es ist wie am Meer.

Die Bank in Moldova Noua ist eigentlich schon zu, aber ich habe wohl oftgenug "Please, please!" gesagt. Drinnen sieht es so aus, wie ich mir eigentlich einen Knast vorstelle...

Es ist etwa fuenf mal pro Tag Hundealarm. Aber schon eine Wurf-Pose mit einem Stein reicht, um die Koeter einzuschuechtern. Jetzt habe ich immer zwei Steine auf der Lenkertasche liegen...

Ich campe heute wild auf einem fantastischen Huegel mit Donaublick. Es ist fast Vollmond. Und ich weiss: diesen Moment wuerde nur mit jemandem Teilen wollen, mit dem ich auch sonst alles teilen wollen wuerde und nicht mit "irgendeiner" Reisebegleitung. Ich staune selbst ein bisschen ueber die Harmonie, in der ich mit mir selbst stehe. Es ist schoen, alleine zu sein. Keineswegs wuensche ich mir in jedem schoenen Moment, dass doch jemand bei mir waere. Ich geniesse die Einsamkeit in vollen Zuegen.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 21.08.02 (rsbrt0025) 
Der lang ersehnte Karpatendruchbruch
 
von: Berzaska (0 üNN)

über: Orsova

nach: Simian (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 116.27 km

Fahrzeit: 06:16:10 h

Stehzeit/Pausen: 04:58:30 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 18.54 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 10.34 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 48 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 300 m

Abwärtsfahrten gesamt: 300 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: frischer Gegenwind

mittlere Temperatur: 30°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehenangaben ue. NN nicht verfuegbar



Tagebuch :



Dies war fuer mich der Tag des Karpatendurchbruchs der Donau, jenes Abschnittes, wo sie sich ihren Weg durch die Westkarpaten gesucht, gegraben hat. Es ist unfassbar: man sieht diese Strasse am Ufer entlang und denkt: okay, da hinten hoert die Donau dann wohl auf, denn durch diese Berge fliesst kein Fluss. Und doch: es geht immer irgendwie weiter. Teilweise muessen die gewaltigen Wassermengen wenger Meter breite Engstellen zwischen steilen Felsen passieren, teilweise haben sich zwischen bewachsenen Huegeln see-artige Auslaeufer gebildet.

Auf einem Parkplatz halte ich ein Plaeuschchen mit den Insassen eines Autos mit Siegener Kennzeichen. Ein paar Kilometer weiter campt auf einer Wiese ein Paerchen aus Muenchen. Von allen kleinen und fluechtigen Reisebekanntschaften gibt es den einen oder anderen Tipp abzustauben und aus diesem Mosaik setzt sich mein Masterplan schlussendlich zusammen. Es funktioniert prima.

Nach einer Internet-Pause in Orsova ist Schluss mit lustig. Die gemuetliche Landstrasse mutiert zur Hardcore-Bundesstrasse und die schoene Donau zum Mega-Industriegebiet. Ich haette dieses letzte Stueck des Tages nicht nur mit Walkman, sondern auch mit verbundenen Augen und zugestopfter Nase fahren sollen...

 
Reisebericht aus Rumänien vom 22.08.02 (rsbrt0026) 
Klopf, klopf: Aufmachen, Polizei !!
 
von: Simian (0 üNN)

über: Calafat, Garla Mare

nach: Ciupercenii Noi (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 150.45 km

Fahrzeit: 07:46:50 h

Stehzeit/Pausen: 02:52:00 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 19.35 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 14.14 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 43 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 130 m

Abwärtsfahrten gesamt: 130 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: Windverhältnisse durchwachsen

mittlere Temperatur: 30°C



Sonstiges



Pannen: Reifenpanne

Bemerkungen: Hoehenangaben ue.NN nicht verfuegbar



Tagebuch :



Na wer sachts denn: ein Wild-Campingplatz mit vollem Komfort, sogar mit Weckdienst. Puenktlich zum Sonnenaufgang klopft es draussen am Zelt. "Guten Morgen, Fruehstuck ist fertig" waere mir zwar lieber gewesen, aber "Policia de la frontiera, Passport please" ist auch okay.

Suedlich von Hinova verlasse ich wieder die Hauptroute und fahre ueber Batoti und Vrancea. Die Leute in diesen winzigen Doerfern, die malerisch an der Donau liegen, koennen wohl gar nicht recht fassen, dass ein Fremder dort vorbeikommt, der ihre Sprache nicht kann. In Grinia verlasse ich sogar die Schotterpiste und fahre Stueck nach Kompass ueber Kutschpfade. Die Wege fuehren dicht an der Donau ueber seichte, saftig-gruene Huegelchen, durch kleine Baeche hindurch und mitten durch Viehherden. Es folgen einige Kilometer durch Maisfelder und Doerfer, die in meiner Karte nicht einmal eingezeichnet sind. Vielleicht waren dies mit die bisher schoensten Kilometer meiner Tour.

Das rumaenische Temperament ist uebrigens durchwachsen. Manche Leute jubeln mir zu und rufen mir euphorisch etwas hinterher. Andere sehen verbittert aus und gruessen mich nicht zurueck. Unheimlich sind mir die vorlauten Rotzloeffel in den Kleinstaedten. Hilfsbereitschaft aber brauche ich nciht missen: in Ciupercenii Vechi versammelt sich das halbe Dorf um eine Kutsche herum, ueber den besten Weg fuer mich zu diksutieren.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 23.08.02 (rsbrt0027) 
Stark befahrene Bundesstraße im Süden. Aber ich bin der schnellste.
 
von: Ciupercenii Noi (0 üNN)

über: Desa, Bistret

nach: Corabia (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 159.33 km

Fahrzeit: 07:43:23 h

Stehzeit/Pausen: 03:04:16 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 20.62 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 14.76 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 50 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 80 m

Abwärtsfahrten gesamt: 80 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: Windverhältnisse durchwachsen

mittlere Temperatur: 30°C



Sonstiges



Pannen: Reifenpanne

Bemerkungen: Hoehenangaben ueber NN nicht verfuegbar



Tagebuch :



So richtig gut habe ich die letzte Nacht nun nicht geschlafen. Die Geraeuschkulisse rund um meinen Wild-Campingplatz mitten im suedrumaenischen Wald war doch zu aufregend. Von Giupercenii Noi fuehren Feldwege nach Sueden in das Naturparadies im Donaubogen. Die Wege sind leider voellig versandet, so dass ich meinen Plan, hier ein Stueck nach Kompass zu fahren, nicht umsetzen kann. In Poiana Mare geht es dann bald auf die Bundesstrasse, die stark befahren ist... von Kutschen. Es funktioniert wie eine deutsche Bundesstrasse: manche sind langsamer, manche schneller, man ueberholt sich. Nur dass ich als Radfahrer hier die meiste Zeit auf der Ueberholspur verbringe.

Das Land hier in Suedrumaenien ist offen und weit. Hier und da erhebt sich ein Huegel hin zu einer steilen Boeschung. Teils ist es schierig einen Zeltplatz zu finden, weil man aus 10 km Entfernung aus allen Richtungen zu sehen waere. Toll ist, dass das Land so ganz ohne Zaeune und Stacheldraehte auskommt. Das Vieh steht einfach ueberall herum - bei Herden ist ein Hirte dabei, einzelne Tiere sind angebunden.

Nach nicht ganz verzweiflungsloser Zeltplatzsuche verbringe ich die Nacht in einer Donauaue bei Corabia, dicht an der Stadt und nah an der Grenze zu Bulgarien. Ich habe beschlossen, nichts auszupacken, nicht einmal die Isomatte, um morgen frueh in Rekordzeit verschwinden zu koennen, bevor die ersten unliebsamen Gaeste auftauchen.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 24.08.02 (rsbrt0028) 
Erste körperliche Begleiterscheinungen
 
von: Corabia (0 üNN)

über: Zimnica

nach: Giurgiu (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 158.27 km

Fahrzeit: 07:40:25 h

Stehzeit/Pausen: 02:55:28 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 20.62 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 14.93 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 41 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 190 m

Abwärtsfahrten gesamt: 190 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: leichter Gegenwind

mittlere Temperatur: 32°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehenangaben ueber NN nicht verfuegbar



Tagebuch :



Tatsaechlich habe ich das Zelt an diesem mueckengeplagten Ort noch vor Sonnenaufgang abgebaut. Die Nervositaet wegen der allzunahen Stadt hat mich zeitig geweckt.

Der rumaenische Lei macht mir mit seinen vielen Nullen heftiges Kopfzerbrechen. Immer, wenn die Rumaenen in den Taschenrechner tippen, wieviel ich bezahlen muss, muss ich fuenf mal hinsehen und die Nullen zaehlen - und schlussendlich lege ich doch einen nullen-maessig voellig falschen Schein hin. Aber schoen billig isses: ein Liter Coca-Cola kostet an einer Tankstelle um die 70 Euro-Cent.

Die letzten 40 Kilometer heute haben keinen Spass mehr gemacht. Ob man es glaubt oder nicht: ja, mir tut der Arsch weh! - Die Qualitaet der rumaenischen Strassen ist daran sicher nicht ganz unbeteiligt. Und auch die Stellen der Oberschenkel, die taeglich 8-10 Stunden am Sattel entlangschrappen, sind inzwischen in Mitleidenschaft gezogen. Da der in der Karte in Giurgiu eingezeichnete Campingplatz wieder einmal in Wahrheit nicht existiert, quartiere ich mich fuer 15 Euro die Nacht im Hotel ein. Giurgiu ist atmosphaerisch nett: viele nette, hilfsbereite, gut gelaunte junge Leute. Ein guter Ort fuer eine Tagespause.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 25.08.02 (rsbrt0029) 
Peinlicher Zwischenfall in der Gastro
 
Die Karte dieser Aussengastronomie in Giurgiu bietet Wein fuer 80.000 Lei an, das sind um die 2 Euro 50. Ich denke, ich habe mir ein Glas Rotwein verdient und bestelle... Der Kellner bringt eine Flasche, und giesst etwas in mein Glas, das aussieht wie das, was man gemeinhin in den Ausguss kippt, wenn man eingemachte Kirschen abgiesst. - Ich wundere mich etwas, dass der Kellner den Korken wegwirft und die Flasche nicht wieder mitnimmt. Mit Hilfe des Nachbartisches klaert sich auf, dass die ganze Flasche fuer zwo fuffzich mir gehoert. Puhh, da musste ich wohl etwas extravagant die Haelfte dieser Ploerre stehen lassen. Apropos billig: eine Stunde Internetcafe kostet 30 Cent.

In Giurgiu gibt es im Prinzip nichts zu sehen. Aber die Stadt strahlt Gemuetlichkeit aus, man kann es gut aushalten. In der Apotheke kriege ich gegen Juckreiz von Insektenstichen Vietnamesischen Balsam und gegen sproede Lippen seit einem Jahr abgelaufene Bepanthen-Creme. Abends lande ich auf einer Party mit rumaenischer Club-Musik, von der ich beschlossen habe, etwas nach Deutschland zu importieren. Nicht so allerdings diejenige, die auf der Hochzeit in meinem Hotel laeuft, das ist naemlich tatsaechlich genau die gleiche, wie die auf dem Geburtstagsball des Polizeipraesidenten in Helge Schneiders "00 Schneider"...

 
Reisebericht aus Rumänien vom 26.08.02 (rsbrt0030) 
Das Essen hilft wenig und die Kutscher schwingen die Peitschen
 
von: Giurgiu (0 üNN)

über:

nach: Calarasi (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 157.36 km

Fahrzeit: 07:46:18 h

Stehzeit/Pausen: 01:56:41 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 20.24 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 16.19 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 49 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 120 m

Abwärtsfahrten gesamt: 120 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: Windverhältnisse durchwachsen

mittlere Temperatur: 27°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehenangaben ueber NN nicht verfuegbar



Tagebuch :



Kurz dachte ich heute vormittag, ich haette jetzt doch genug von Suedrumaenien. Genug von den kaputten Strassen, den stinkenden LKWs. Aber es war wohl doch nur die Unterzuckerung. Nach einer Tafel Schokolade und einem Liter Cola gefaelt mir das Land mit seinen kleinen Huegeln wieder.

Die Ernaehrung hier ist etwas schwierig. Das Fruehstueck im Hotel hatte ich gerade in den Mund gesteckt und wollte es schlucken, da war es verschwunden. Vermutlich in einer Zahnluecke. Von dem Weissbrot hier mit einem Naehrwert von 0 kcal pro 100 g, verschlinge ich morgens einen ganzen Laib und verbrauche dabei ein ganzes Glas Marmelade.

Nach diesem Nachmittag kenne ich nun auch andere Gesichter Rumaeniens. In einem Dorf verpruegelte ein Bauer auf einer Kutsche waehrend der Fahrt seine Frau und erhebt sogar die Pferdepeitsche gegen sie. So unreligioes ich auch sonst bin - ich hebe meinen Blick in den blauen Himmel und denke:"Okay, wenn da oben jemand ist, dann bitte mach, dass diesem Arschloch auf der Stelle alle Gliedmassen und der Pimmel abfaulen!".

Mir erging es etwas besser als der Bauernfrau: ich wurde mit Steinen beschmissen. Aber ich sehe deshalb meine Sicherheitslage keineswegs in Gefahr.

Und da der Verdacht besteht, dass auch hier in Calarasi der Campingplatz nicht existiert, bin ich wieder mal Hotelgast. Nach den Steinwuerfen war mir nach einem Wildcampingplatz nicht zumute.

Die Donau fliesst an hier nach Norden in Richtung Delta. Ich habe beschlossen, ihr nict auf Schritt und Tritt zu folgen, sondern morgen die Schwarzmeerkueste anzusteuern und dann an der Kueste zum Delta zu fahren.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 27.08.02 (rsbrt0031) 
Eine fehlende Schraube am Ende der Welt macht Sorgen
 
von: Calarasi (0 üNN)

über: Baneasa, Dobromir, Sipotele, Furnica

nach: Olteni (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 106.09 km

Fahrzeit: 06:09:43 h

Stehzeit/Pausen: 03:27:13 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 17.25 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 11.04 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 54 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 500 m

Abwärtsfahrten gesamt: 500 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: leichter Gegenwind

mittlere Temperatur: 31°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehenangaben ueber NN nicht verfuegbar



Tagebuch :



Suedlich von Calarsi bringt mich die Faehre ueber die Donau - und auf einen anderen Planeten. Es geht um etwa 120 Meter aufwaerts mit einem tollen Blick auf Seen und Baeche sowie auf Seitenarme und Auen der Donau. Die Strasse hat einige Abschnitte mit Kopfsteinpflaster. Aber es ist sorgfaeltig verlegt, so dass die Gehirnerschuetterung ausbleibt. In Baneasa geht es auf die Nebenstrasse in Richtung des sued-oestlichsten Zipfels Rumaeniens, einem Land, in dem zweifellos die Unendlichkeit erfunden wurde. Die hunderte, tausende ca. 120 m hohen Huegel erheben sich sanft, sind kaum spitzer als Frisbee-Scheiben und flach bewachsen in Gruen-, Gelb- und Brauntoenen: Mais, Korn, Sonnenblumen, Wildgraeser. Jeder Aufstieg wird mit einem tollen Blick ueber dieses Traumland belohnt und irgendwann mit einer rasanten Talfahrt in das naechste der sehr wenigen Doerfer hier; denen, in denen die Zeit wieder einmal still steht.

Auf einer der Anhoehen beim Kette-Oelen dann der Schock: an der rechten Pedale fehlt eine Schraube. Die Pedale scheint aber stabil zu sein. Jetzt heisst es hoffen, dass dies keine wichtige Schraube war und die Pedale nicht auseinanderfaellt.

Mitten in dieser Unwirklichkeit schlage ich am Abend mein Zelt auf einem der Huegel auf. Es ist so still, dass ich die Grashuepfer atmen hoeren kann. In der Ruhe schreibe ich im Sonnenuntergang noch einen Brief. Es ist fantastisch.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 28.08.02 (rsbrt0032) 
Sonnencreme- und Schlauchbootverkäufer
 
von: Olteni (0 üNN)

über: Negru Voda, Mangalia

nach: Costinesti (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 80.31 km

Fahrzeit: 04:15:05 h

Stehzeit/Pausen: 01:46:49 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 18.88 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 13.31 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 50 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 250 m

Abwärtsfahrten gesamt: 250 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: frischer Gegenwind

mittlere Temperatur: 31°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehenangaben ueber NN nicht verfuegbar (wobei: Costinesti liegt am Meer...!)



Tagebuch :



In einem dieser kleinen Dorflaeden muss gestern so eine Schnulze gelaufen sein. "Didn't know how much I love you" und so. Und promt habe ich zum Fruestueck diesen Song im Ohr und verspuere doch glatt - darf es denn wahr sein?! - zum ersten mal auf dieser Tour einen leichten Herzschmerz. Also gut. Soll es ein bisschen schmerzen. Ich lege die Portishead-Cassette ein und trample weiter durch das Land, aus dem Traeume gemacht werden. - Der Zustand der Pedale hat sich nicht veraendert. Ich habe Hoffnung.

Ich hatte es mir so schoen ausgemalt, dass ich eine Anhoehe herauffahre in der sengenden Hitze, mich der Bergkuppe entgegenkaempfe und sich dann, endlich, als meine Augen die Hoehe der Bergkuppe erreicht haben, der Blick auf das Schwarze Meer eroeffnet und ich wie benommen vor Glueck mein Fahrrad fallenlassen wuerde. Leider hat die Realitaet mir diesen literarisch wertvollen Gefallen fuer das Tagebuch nicht getan. Man muss durch das Stadtchen Mangalia komplett durchfahren, zwischen viereckigen und siebenundzwanzigstoeckigen Hotels durch, an tausendundeinem Schlauchboot- und Sonnencremeverkaufer vorbei, bis man schliesslich den gut versteckten Strand erreicht. -Trotzdem: das Gefuel ist unbeschreiblich: ich kann nicht glauben wo ich bin, und wie ich hierher gekommen bin... Und abends im Strandrestaurant dann die Bestaetigung: es daemmert, aber die Sonne geht nicht ueber dem Meer unter, sondern ueber dem Festland. Ich bin tatsaechlich an der europaeischen Ostkueste!

 
Reisebericht aus Rumänien vom 29.08.02 (rsbrt0033) 
Campingplatz für maximal 4 Zelte
 
von: Costenesti (0 üNN)

über:

nach: Costenesti (0 üNN)



Tagebuch :



In Costinesti gibt es ungefaehr tausendundeinen Campingplatz, weil naemlich viele der Pensionen hier ein kleines Grundstueck um ihr Haeuschen herum haben, auf dem man zelten kann. Dort wo ich jetzt hause, passen maximal vier Zelte hin, das macht die Sache sehr familliaer und persoenlich. Ich habe keine Bedenken, hier Wertsachen zurueckzulassen und das Handy unbeaufsichtigt an der Rasiersteckdose aufzuladen. Die Hausherrin hat mir sogar bei meiner Waesche geholfen.

Der Ort ist zweifellos ein typisches Kuesten-Party-Nest. Man kann abends von Party zu Party gehen, wobei der Eintritt zwischen umsonst und eineinhalb Euro liegt.

An der Tanzflaeche kommt ploetzlich ein Typ an und sagt auf englisch, er suche einen Rucksack, den er verloren haette. Ich bin irritiert, weil er einen Rucksack auf dem Ruecken hat. Ich haette keinen gesehen, sage ich, und dieser hier waere meiner. Nur wenig spaeter taucht eine Frau auf und wird so aufdringlich und penetrant wie man nur sein kann. Ich glaube, man nennt das Belaestigung, wie? Im gleichen Moment taucht ganz in der Naehe dieser Rucksacktyp wieder auf. Ich wittere eine Verschwoerung und fluechte eine Party weiter. Wie gut, dass eine aufdringliche Frau mit dicken Titten wohl vermag mich zu verschaeuchen, auf keinen Fall aber, mich abzulenken. Und jetzt endlich der Moment, auf den ich seit keine Ahnung wann warte: eine Flasche Rotwein im Mondlicht am Strand... Prost!

 
Reisebericht aus Rumänien vom 30.08.02 (rsbrt0034) 
Wo gibts denn so was: Bei über 30 Grad mit Halstuch
 
von: Costinesti (0 üNN)

über: Constanta, Navodari, Sacele, Sinoie, Baia

nach: Jurilovca (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 140.37 km

Fahrzeit: 07:21:10 h

Stehzeit/Pausen: 02:30:32 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 19.09 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 14.23 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 42 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 80 m

Abwärtsfahrten gesamt: 80 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: starker Gegenwind

mittlere Temperatur: 27°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Der gute Wille war da: immerhin bin ich um neun Uhr schlafen gegangen und habe den Wecker auf sechs gestellt, um den Sonnenaufgang ueber dem Meer zu sehen. Aber als ich um zehn nach sechs aus dem Zelt gucke, ist es erstens schon hell und zweitens bewoelkt. Dann eben nicht.

Die Schwarzmeerkueste entlangzuradeln kann man sich nun so idyllisch vorstellen... ja, die ersten 10 km von Costinesti ueber den Feldweg direkt an der Klippe entlang nach Norden waren auch ganz nett. Ausser, dass der Leuchtturm von einer weder angeleinten noch eingezaeunten, riesigen Menschenfresserbestie bewacht wird. Jetzt weiss ich auch, dass das Pfefferspray wirklich funktioniert.

Constantia kann ich hier leider nicht mehr naeher beschreiben, weil ich schon alle Superlative fuer die Haesslichkeit einer Stadt fuer Belgrad verbraucht habe. Allerdings bin ich auch stur der Beschilderung nach Mamaia gefolgt, wurde vermutlich durch die Vororte geschleust. Man erzaehlte mir, im Zentrum von Constantia sei es huebsch.

Richtung Norden wird Constantia gefolgt von sehr aesthetischen und wohlriechenden petrochemischen Schwerindustrieanlagen. Spaeter dann erscheint mir die Landschaft beleidigend langweilig. Aber das kann am Gegenwind in Kombination mit einer Unterzuckerung gelegen haben. Da der Kuestenwind im Begriff ist, mir eine Halsstarre einzubrocken, fahre ich ausserdem bei teilweise 33 Grad mit Halstuch. Spass? Geht so. Aber das Ziel ist nah. Jetzt schoen tapfer sein!

 
Reisebericht aus Rumänien vom 30.08.02 (rsbrt0035) 
Ankunft in Water-Land: das Donau-Delta
 
von: Jurilovca (0 üNN)

über: Enisala, Sarichioi, Agighiol, Tulcea, Nufaru, Partizani

nach: Maliuc (mitten im Donaudelta) (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 96.99 km

Fahrzeit: 05:56:45 h

Stehzeit/Pausen: 03:10:16 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 16.31 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 10.64 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 43 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 50 m

Abwärtsfahrten gesamt: 50 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: frischer Gegenwind

mittlere Temperatur: 29°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Ich hasse Rumaenien. Ich hasse es fuer seinen verdammten Kackschweinepillemannsauwind und seine kaputten Strassen. Aber viel mehr noch liebe ich Rumaenien. Liebe es fuer seine freundlichen und hilfsbereiten Menschen, fuer ihre Musik. Ich hasse Rumaenien fuer seine abertausende Hunde und liebe es fuer seine friedfertigen Pferde und Esel. Ich hasse Rumaenien fuer die Abgase seiner Autos und liebe es fuer seine wundervolle Landschaft. Ich hasse Rumaenien fuer sein Informationschaos und liebe es fuer seine Unkompliziertheit. Himmelhoch jauchzend und zum Morden erzuernt. Im 10-Minuten-Takt. Mein Seelen-Leben macht ganz schoen was mit hier.

In Tulcea, dem "Tor zum Delta", gibt es an einem Samstagnachmittag fuer einen Tourist ausser etwas Bargeld nicht viel zu holen. Informationen schon mal gar nicht. Also: Versuch macht kluch. Ich fahre nach Nufaru und nehme dort die Faehre ueber einen der Hauptdonauarme. Dort finde ich eine Schotterpiste, die mich bis auf die Hoehe von Muliac bringt, was aber wiederum auf der anderen Kanalseite liegt. Ein netter, junger Rumaene bringt mich mitsamt Fahrrad und Anhaenger in seinem Ruderboot rueber. Dort erfahre ich in der Dorfbar, dass es hier erstens 300 Einwohner gibt, dass zweitens - oefter mal was neues - der Campingplatz in Wahrheit nicht existiert und drittens dieser Ort eine von Seen und Kanaelen umgebene Insel ist. Das naechste Boot kommt in zwei Tagen, nachmittags. Der Dorfladen oeffnet auch erst am Montagabend wieder, also wenn ich schon wieder weg sein werde. Ich habe ohne Zweifel das Ende der Welt gefunden.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 01.09.02 (rsbrt0036) 
Müllhaufen trüben das Weltnaturerbe
 
von: Muliac (0 üNN)



Tagebuch :



Da ich auf dieser 300-Seelen-Insel gefangen bin, habe ich es mir gemuetlich gemacht. Ich teile mir eine Landzunge zwischen dem Donauarm und einem Kanal mit einer rumaenischen Famillie, die auch hier zeltet, einem Pferd, das hier gemuetlich vor sich hin grast und dem einzigen lieben Hund Rumaeniens, der sich hier den ganzen Tag in der Sonne raekelt. Er ist blind.

Ich verbringe den Tag mit einer seeeehr kleinen Sightseeingtour in Muliac. Am hinteren Dorfende bekomme ich dabei einen Einblick in die Tiefen des Donaudeltas: unzaehlige Seen, Baeche, Suempfe, Biotope und Kanaele wechseln sich ab. Daruber kreisen heerscharen von Voegeln. Ueber Land kommt man hier in keine Richtung weit. Ohne Boot ist man hier wie in Muenster ohne Fahrrad: aufgeschmissen.

In Muliac selbst ist vom "Weltnaturerbe" aber nicht so viel zu erahnen. An vielen Stellen tuermen sich die Muellhaufen und straeunernde Koeter schnueeffeln darin herum.

Den Rest des Tages nehme ich einen Sonnenbad am Zelt. Der Angler aus dem Nachbarzelt bringt mir etwas zu Essen vorbei. Die Fischsuppe ist okay, aber die Beilage hat die Konsistenz von Griesbrei und riecht wie das, was mein Opa frueher seinen Huehnern zum Fressen gegeben hat. Ich entsorge die Mahlzeit teilweise unaufaellig in der Donau und bemuehe mich anschliessend um ein glaubwuerdiges Kompliment.

An diesem Abend habe ich nun endlich einmal die Zeit und Muse fuer ein Feuerchen am Flussufer, dazu das eine oder andere Bier und der Blick in den Sternenhimmel. Es ist wunderbar!

 
Reisebericht aus Rumänien vom 02.09.02 (rsbrt0037) 
Auf dem Schiff Kontakt zu Landsleuten
 
von: Muliac (0 üNN)

über:

nach: Sulina (0 üNN) mit dem Schiff



Tagebuch :



Es kommt tatsaechlich, das Schiff nach Sulina, das fuer die Doerfer hier Versorgungs- und Passagierschiff zugleich ist. Auf dem dreistoeckigen Flussdampfer ist herrscht reges, lautes, rumaenisches Leben. Es wird viel getrunken. Mindestens Bier. Und da ich ja nicht aus der Rolle fallen will... Gut, dass der wenige Regen Rumaeniens mich genau hier "trifft" und nicht auf dem Sattel.

An Deck sitzen einige junge Leute. Jemand niest und die Frau neben ihm sagt "Gesundheit". - - Aha! Es sind fuenf gutgelaunte, schaebische Backpacker, ebenfalls auf dem Weg nach Sulina. Eine von ihnen ist gebuertige Rumaenin und hat noch einen rumaenischen Schulfreund dabei. Spaeter kommen ausserdem zwei Belgier hinzu, ebenfalls mit Rucksack unterwegs. Die beiden hatte ich auf der Schotterpiste nach Muliac schon einmal kurz gesehen.

Gemeinsam, mit nunmehr neun Personen und von jetzt an mit Dolmetscherservice, zelten wir wild am huebschen und recht abgelegenen Strand von Sulina. In der Stadt haben wir zuvor eine Verabredung mit einem Bootsmann getroffen, der uns ab morgen frueh um neun den ganzen Tag durch das Donaudelta spazierenfahren soll. Allerdings sind sich einige von uns einig, dass sie die Donau-Muendung noch sehen wollen. Morgen ist also fruehes Aufstehen angesagt.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 03.09.02 (rsbrt0038) 
Ankunft an der Donaumündung - Plumsklobenutzung kostenlos
 
von: Sulina (0 üNN)

über: Suedliches Donaudelta

nach: Crisan (0 üNN) mit einem Motor-Boot



Tagebuch :



Im Sonnenaufgang mache ich mit fuenf weiteren Fruehaufstehern auf den Fussmarsch zur Donau-Muendung. Laut Karte sollte uns ein Kanal den Weg am Strand entlang versperren. Wir gehen daher einen Bogen - aber die Karte stimmt nicht und HIER versperrt uns der Kanal den Weg. Ein Fischer setzt uns ueber; gegen ein kleines Trinkgeld. Dann noch 2-3 Kilometer und schliesslich, 33 Tage, nachdem ich an der Donauquelle losgefahren bin, stehe ich dort, wo dieses Wasser in das Schwarze Meer fliesst. Meine Mission ist erfuellt: ich bin die gesamte Donau, soweit ueber Land moeglich, mit dem Fahrrad entlang gefahren.

Fast zwei Stunden zu spaet kommen wir am Hafen an. In einem Motor-Boot, in der Form genau wie ein Ruderboot, nur groesser, werden wir mit all unserem Gepaeck durch das "Water-Land" Donaudelta gefahren. In dem schier endlosen Schilf leben neben Reiern und Froeschen auch Wasserschlangen, Pelikane und viele andere interessante Tiere, von denen wir aber leider nur wenige gesehen haben, weil der Motor des Bootes doch etwas zu laut war. Trotzdem hat es einen besonderen Reiz durch diese nasse und maerchenhafte Einsamkeit zu tuckern. Zum Rudern war die Strecke nun mal leider zu weit. Abends lassen wir uns in Crisan absetzen, also schon wieder weiter im Inneren des Deltas und sind somit praktisch schon wieder auf dem Rueckweg. Der Ortsvorsteher von Crisan erlaubt uns hoechstselbst, auf dem oertlichen Schulhof zu zelten und die auch die dortigen Plumsklos zu benutzen. Kostenlos.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 04.09.02 (rsbrt0039) 
Abschied von der Donau auf einer Fähre voller Moskitos
 
von: Crisan (0 üNN)

über: Tulcea

nach: Braila (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 97.16 km

Fahrzeit: 04:49:35 h

Stehzeit/Pausen: 01:59:12 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 20.13 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 14.26 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 66 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 320 m

Abwärtsfahrten gesamt: 320 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: leichter Rückenwind

mittlere Temperatur: 32°C



Sonstiges



Pannen: Reifenpanne

Bemerkungen: Strecke Crisan - Tulcea per Schiff



Tagebuch :



Von Crisan nach Tulcea faehrt wieder das dreistoeckige Boot. Das, auf dem alle saufen. Sogar morgens, wie sich jetzt zeigt. Im Hafen von Tulcea heisst es fuer mich dann Abaschied nehmen. Jetzt bin ich drei Tage nicht fahrradgefahren und hatte eine Truppe verdammt netter Leute um mich rum. Da muss ich jetzt ja doch erstmal schlucken und den Walkman etwas lauter drehen, bis nach ein paar Stunden auch das Alleinsein wieder Spass macht.

In Richtung Braila erhebt sich links die Silouette eines kleinen Mittelgebirges, rechts sieht man die Donauauen und Donauarme.

Am fruehen Abend ist wieder mal der Anhaengerreifen platt und wenige Kilometer weiter trifft es erstmals auch einen der Fahrradreifen. Die rumaenischen Dornen sind verdammt hartnaeckig.

Dass ich die Notwenigkeit einer Donauueberfahrt per Faehre kurz vor Braila auf der Karte uebersehen habe, ist schwer zu verzeihen, aber ich habe Glueck: trotz fortgeschrittener Stunde geht das Schiff in zehn Minuten. Wegen der Heerscharen von Moskitos wird fuer die Zeit der Ueberfahrt das Licht an Deck ausgeschaltet - und das macht die Sache doch recht romantisch. Ab Braila werde ich jetzt landeinwaerts fahren. Am anderen Ufer heisst es daher fuer mich gleich noch einmal Abschied nehmen: Tschuess, Donau! Es war sehr schoen, dich kennenzulernen. Und du warst mir eine sehr angenehme Begleitung! Machs gut!

Im Dunkeln ist natuerlich gut Munkeln aber keinesfalls gut Campingplatzsuchen. Also wieder einmal ab ins Hotel. Na gut: eine Dusche, warum nicht...

 
Reisebericht aus Rumänien vom 05.09.02 (rsbrt0040) 
Die ersten Boten der Karpaten in Sicht
 
von: Braila (0 üNN)

über: Ianca, Buzau

nach: Sarata-Monteoru (0 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 123.47 km

Fahrzeit: 05:37:16 h

Stehzeit/Pausen: 02:12:56 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 21.95 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 15.75 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 37 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 90 m

Abwärtsfahrten gesamt: 90 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 0 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: Windverhältnisse durchwachsen

mittlere Temperatur: 37°C



Sonstiges



Pannen: Reifenpanne

Bemerkungen: Hoehenangaben ueber NN nicht verfuegbar



Tagebuch :



Meine Reifen gehen mir auf den Sack! Beziehungsweise diese hartnaeckigen, rumaenischen Dornen. Im Fahrradladen in Braila gibt es nur Schlaeuche mit Autoventil, aber keine passenden Luftpumpen. Aber es erhoeht wohl den Spannungseffekt, wenn ich ab jetzt mit einem Schlauch fahre, zu dem ich keine passende Pumpe habe. Ebenfalls, dass meine hintere Felge einen 1-2 mm breiten, 6 mm langen und sicher auch 1-2 mm tiefen Katscher hat, der sie sicher nicht gerade stabiler macht. An das Knirschen des Tretlagers und die fehlende Schraube an der Pedale habe ich mich ja laengst gewoehnt...

Die Strecke von Braila nach Buzau bietet ein Maximum an moeglicher Langweiligkeit. Das Land ist platt wie eine Briefmarke und besteht aus Ackern und Maisfeldern. Aber die rumaenische Popmusik im Walkman vermag mir ja so manches zu versuessen - ausser den Gegenwind.

Bei Sarata-Monteoru steht man ganz ploetzlich vor ein paar Huegeln, den ersten Boten der Karpaten. Hinter einem Tour mit der Aufschrift "Betreten verboten" (uebersetzt, versteht sich) finde ich einen fantastischen Wildcampingplatz, so dass mir die Suche nach dem offiziellen, den es hier angeblich gibt, erspart bleibt. Waehrend Aberdutzende Libellen abends einen Tanz vor meinem Zelt auffuehren, verirrt sich mein Gehirn kurz in die Vergangenheit: ich hatte schon einmal eine franzoesischsprachihge Urlaubsbekanntschaft, die gewisse Aehnlichkeiten mit einem der der beiden Belgier hatte. Aber weg mit diesem bescheuerten Gedanken...!

 
Reisebericht aus Rumänien vom 06.09.02 (rsbrt0041) 
Camping im rumänischen Schrebergarten
 
von: Sarata-Monteoru (40 üNN)

über: Pietrosaele, Sarata, Mizil, Ploiesti, Darmanesti, Targoviste

nach: Izvoarele (320 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 132.66 km

Fahrzeit: 05:59:19 h

Stehzeit/Pausen: 02:10:00 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 22.13 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 16.25 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 49 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 340 m

Abwärtsfahrten gesamt: 60 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 280 m



Wetter



Witterung: heiter bis wolkig

Wind: leichter Rückenwind

mittlere Temperatur: 31°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehenangaben ueber NN sind nicht exakt



Tagebuch :



Zwischen Buzau und Targoviste noerdlich der Bundesstrassen durch die Doergfer zu fahren ist sicher nett und reizvoll, aber wenn ich die Wahl habe, mit dem Wind bergab oder gegen den Wind bergauf zu fahren, faellt die Entscheidung leicht. Also zurueck auf die langweilige Bundesstrasse von gestern.

In Richtung Landesinneres veraendert sich Rumaenien schlagartig: die Strassen werden deutlich besser, die Kutschen weniger, die Autos mehr, dicker und schneller und die Haeuser moderner. Die Staedte Ploiesti und Targoviste sind grosszuegiger angelegt und schon deutklich weniger haesslich als die Nester im Sueden. In Targoviste wird gerade die Buehne aufgebaut fuer das diesjaehrige Dracula-Fest; man kann auch schon Dracula-PopKorn in Dracula-Pappbechern kaufen. Und gegen meine Moskito-Stiche kriege ich hier keinen fragwuerdigen Balsam, sondern ein anstaendiges, pharmazeutisches Produkt: Fenistil.

Am Ortsausgang von Izvoarele giesst ein Herr gerade seine Obstbaumsproesslinge, seine Toechter spielen drum herum Federball. Ich frage, ob ich hier eine Nacht campen kann. Klar, kein Problem, deutet er mir. Ob ich sonst noch was brauche oder mein Fahrrad lieber an seinem Haus abstellen will... ich lehne dankend ab. Spaeter bringt er mir noch drei Aepfel als Nachtisch vorbei. So sind sie, die Rumaenen.

Man kann von hier aus schon die Berge sehen. Und mir deucht, ich werde morgen etwas trampeln muessen...

 
Reisebericht aus Rumänien vom 07.09.02 (rsbrt0042) 
Die Karpatenüberquerung mit Besuch bei Graf Drakula
 
von: Izvoarele (320 üNN)

über: Voinesti, Rucar

nach: Giuvala-Pass -> Tohanu Nov (1222 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 91.35 km

Fahrzeit: 05:39:09 h

Stehzeit/Pausen: 04:28:23 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 16.14 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 9.02 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 50 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 1100 m

Abwärtsfahrten gesamt: 198 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 902 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: windstill

mittlere Temperatur: 25°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: keine



Tagebuch :



Gestern abend hat sich ueber Izvoareele noch ein kraeftiges Gewitter entladen, aber heute morgen strahlt der Himmel schon wieder als waere nichts gewesen. Die Karpatenueberquerung ueber den Giuvala-Pass war erwartungsgemaess mit etwas Arbeit verbunden, aber es hat riesigen, riiiesigen Spass gemacht, denn die Belohnung war so reichlich, dass es in Worte schwer zu fassen ist. Die Karpaten sind so eine Mischung aus Alpen und Schwarzwald: nicht so hoch und nicht so nackt wie die Alpen, aber hoeher, steiler und weniger bewachsen als der Schwarzwald. Ohne Hoehenmesser haette ich yweifellos den Gebirgseffekt gehabt a la "Jetzt bin ich sicher gleich oben", aber mit dem Altimeter konnte ich mein Ziel naeher kommen sehen. Natuerlich lagen die Spitzen der hinteren Bergreihen in einem leichten Dunst. Das musste ja auch so sein, damit es ein bisschen gruselig ist, wegen Dracula und so...

Der Abfahrt ins Tal musste ich ihre Rasanz leider ein wenig nehmen und die Bremskloetze fuer das eine oder andere Foto zum Gluehen bringen. Und im Tal schliesslich stand natuerlich noch ein Besuch in Draculas bescheidenem Anwesen auf dem Programm, wo das gruseligste allerdings die Souvernirs sind, die man vor der Tuer kaufen soll. Pinke T-Shirts mit einem Aufdruck des Umrisses des Schlosses und der Aufschrift "Dracula Romania" koennen einem schon gany schoen das Fuerchten lehren..

Ein paar Kilometer weiter verbinge ich die Nacht auf einer Kugweide, wo eine Herde mir mit ihren Kuhglocken noch ein Gute-Nacht-Konzert gibt.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 08.09.02 (rsbrt0043) 
Kleines Resume nach 38 Tagen
 
von: Tohanu Nov (650 üNN)

über: Brasov, Fagaras

nach: Vestem (380 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 152.21 km

Fahrzeit: 06:43:22 h

Stehzeit/Pausen: 02:44:05 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 22.63 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 16.09 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 52 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 320 m

Abwärtsfahrten gesamt: 590 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -270 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: windstill

mittlere Temperatur: 27°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehenangaben ueber NN nicht exakt



Tagebuch :



Am Nordrand der Karpaten fahre ich jetzt wieder in Richtung Nord-Westen, grob in Richtung Budapest. Meine Schlafwagenreservierung rueckt nun in ueberschaubare Naehe. Wo um alles in der Welt sind bloss die 38 Tage geblieben? Wobei: dass ich in Donaueschingen an der Quelle stand, das Donauhochwasser, mein Campingplatz unter dem Kriegsmahl in Kroatien... stimmt, das ist schon alles ein paar Tage her. Aber ich habe noch nicht eine Sekunde so was wie Heimweh gehabt oder gedacht, dass es jetzt aber reicht oder so. Von der Freiheit, die Fahrrad und Zelt mir geben, kann ich ueberhaupt nicht genug kriegen.

Der Karpatennordrand mutet mittelgebirgsmaessig an. Ab und an muss ich etwas trampeln, aber es haelt sich in Grenzen dafuer, dass ich links und rechts so schoene Berge angucken darf. Ich folge jetzt ungefaehr der Bahnstrecke Bukarest/Budapest, so dass ich einfach einsteigen kann, wenn es heisst "Time out, Game over!". Die Strassen hier sind allerdings echt ungemuetlich. Von wegen in Rumaenien ist nirgends viel Verkehr! Und die vielen vielen Autos und LKWs fahren allesamt wie die Berserker. Mein Zelt habe ich heute in einer Serpentinenkurve kurz vor Sibiu aufgestellt. Zur Strasse habe ich nach allen Seiten Sichtschutz. Es sieht ganz idyllisch aus... ich werde allerdings mit Ohropacks schlafen muessen.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 09.09.02 (rsbrt0044) 
Vollkornbrot und Müsli - unglubliche Schätze
 
von: Vestem (380 üNN)

über: Sibiu, Sebes, Simeria, Deva

nach: Savarsin (150 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 197.24 km

Fahrzeit: 08:53:42 h

Stehzeit/Pausen: 02:41:21 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 22.18 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 17.03 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 58 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 320 m

Abwärtsfahrten gesamt: 550 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -230 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: Windverhältnisse durchwachsen

mittlere Temperatur: 26°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehenangaben ueber NN nicht exakt



Tagebuch :



Vor lauter Urlaubsfeeling ist mir wohl ganz entgangen, dass es inzwischen auf Mitte September zugeht. Bis sich die Sonne morgens gegen den nebel durchsetzen kann, dauert es inzwischen ganz schoen lange, es wird abends zeitig dunkel und nachts sinkt die Temperatur unter die Schmerzgrenze meines beschissenen Schlafsacks... muss ich also in langen Klamotten schlafen.

In den zivilisierteren Staedtchen hier im Landesinneren gibt es so manches Goldstueck zu kaufen: in Brasov gab es Vollkornbrot, in Sebes sogar Muesli und 100prozentigen Saft. Der Preis fuer diese Moderne ist aber wohl der Verkehr. Keine Ahnung, ob ich diese Bundesstrassen hier auch ohne Walkman aushalten wuerde! Toll sind nach wie vor die superschoenen Berge rechts und links, die man angucken darf, ohne nennenswert welche ueberqueren zu muessen. Ich folge nun dem Fluesschen Mures. Klar ware toll, wenn das ein Seitenfluss der Donau waere, aber nicht vergessen: ich habe die Karpaten ueberquert. Von hier fliesst kein Fluss in die Donau. In Zam ist von dem angeblichen Campingplatz wie immer nichts zu sehen. Aber ich kann mich eh weder an meine letzte Dusche, noch an meinen letzten Unterhosenwechsel erinnern. Jetzt isses auch egal. Wozu also brauche ich einen Campingplatz?! Kurz vor Savarsin hinter einer niedrigen, schlammigen, duesteren und gruseligen Bahnunterfuehrung laedt das Mures-Ufer zu einem idyllischen Nachtquartier ein.

 
Reisebericht aus Rumänien vom 10.09.02 (rsbrt0045) 
Tschüss, Rumänien!
 
von: Savarsin (150 üNN)

über: Arad, Ladlac

nach: Mako (95 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 158.65 km

Fahrzeit: 06:55:46 h

Stehzeit/Pausen: 04:19:11 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 22.90 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 14.10 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 41 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 0 m

Abwärtsfahrten gesamt: 55 m

Höhendifferenz Start/Ziel: -55 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: leichter Rückenwind

mittlere Temperatur: 30°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehen ueber NN nicht exakt



Tagebuch :



Hoehepunkt des rumaenischen Horrorverkehrs war heute ein Schwertransporter mit sicher 3-4 m Ueberbreite, der wegen eines Fahrradfahrers keineswegs seine Geschwindigkeit von um die 100 km/h reduziert; eines von hunderten Wahnsinns-Manoevern hier, die auch haetten ins Auge gehen koennen.

In Richtung Arad wird das Land wieder flach und pendelt sich bei um die 100 mNN ein. In Arad kann man sogar ein bisschen Sightseeing machen und gegen 18 Uhr krame ich seit langem mal wieder den Reisepass hervor.

Ich haette genug Gruende, dich zu hassen, Rumaenien! Deine Autofahrer haben mein Leben aufs Spiel gesetzt, deine Verkaeufer haben mich betrogen und abgezockt, deine Hunde haben mich zur Weissglut getrieben, deine Mosikots mich halb leer gesaugt. Aber du bist so eine, der man gar nicht boese sein kann. Du warst ehrlich, hast mir deine verschiedenen Gesichter gezeigt; deine Sorgen und Noete, deine Armut nicht zuletzt, deine von Menschen geschaffene Haesslichkeit. Aber deine unbeschreibliche Schoenheit, deine Grossherzigkeit, deine Gastfreundschaft und deine Friedfertigkeit machen das millionenfach wieder gut. Ich liebe dich, Rumaenien, und ganz sicher: ich komme zurueck, denn von Deinen Bergen habe ich noch lange nicht genug gesehen.

Ein Stueck hinter der Grenze finde ich einen verlassenen Hof zum Zelten... ganz schoen spooky!

 
Reisebericht aus Ungarn vom 11.09.02 (rsbrt0046) 
Rumänisches Geld wird man so leicht nicht wieder los
 
von: Maco (95 üNN)

über: Szeged, Kistelek, Kiskunmajsa

nach: Orgovany (100 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 142.88 km

Fahrzeit: 07:11:53 h

Stehzeit/Pausen: 04:31:44 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 19.88 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 12.20 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 35 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 30 m

Abwärtsfahrten gesamt: 25 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 5 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: frischer Gegenwind

mittlere Temperatur: 31°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehen ueber NN nicht exakt



Tagebuch :



Zu ignorieren, dass Ungarn gepflastert ist mit "Durchfahrt fuer Fahrraeder verboten"-Schildern, habe ich ja schon auf meinem Hinweg gelernt. Hier und da steht die Polizei, gruesst mich, winkt mir zu und feuert mich an. So erreiche ich ueber die Bundesstrasse zunaechst Szeged, nach dem vielen Beton im wilden Osten endlich mal wieder eine Perle des Staedtebaus, die selbst mein architektonisch desinteressiertes Herz erfreut.

Als ich in der Bank einen 2cm hohen Stapel rumaenischer Geldscheine auf den Tisch lege, sieht die Bankfrau mich an, als haette ich gerade zu ihr gesagt, dass ich in die Hose geschissen haette und sie baete, meine Unterhose auszulecken. Also gut, dann eben Euro. Muss ich wohl versuchen, das Spielgeld daheim wieder loszuwerden.

Dann weiter auf der Bundesstrasse bis Kistelek, wo ich kurz vorm Nervenzusammenbruch einen Ungarn-Atlas in 1:250.000 kaufe, um dem Verkehrsalptraum entkommen zu koennen. Schon nach 200 m biege ich ab auf eine Nebenstrasse und nein, nicht eine Sekunde laenger haette ich diesen Verkehr ausgehalten. In einem leichten Zickzack fuehren die kleinen Strassen durch ansehnliche, kleine Doerfer und Staedtchen durch die Puszta. Hier wechseln sich Buesche, Laub- Pinienwaelder ab mit Feldern, Wiesen und Steppen. Und der Duft der Pinien liegt gleichmaessig verteilt ueber dem Land. Es ist ein sehr huebsches Stueck Ungarn, teilweise uebrigens Nationalpark. Nur leider der Wind, der Wind, das himmlische Hurenkind, laesst mich mal wieder maechtig fluchen (und ausflippen und das Fahrrad hinschmeissen und draufrumtrampeln)!!

 
Reisebericht aus Ungarn vom 12.09.02 (rsbrt0047) 
Weit über das Ziel hinaus
 
von: Orgovany (95 üNN)

über: Szabad-Szallas, Kunszentmiklos, Tass, Rackeve (Csepel-Insel)

nach: Budapest (100 üNN)



Etappendaten



Entfernung: 124 km

Fahrzeit: 06:25:23 h

Stehzeit/Pausen: 02:41:07 h



Geschwindigkeit



Durchschnitt ohne Stehzeiten: 19.31 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 13.62 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 31 km/h



Höhenmeter



Aufwärtsfahrten gesamt: 5 m

Abwärtsfahrten gesamt: 0 m

Höhendifferenz Start/Ziel: 5 m



Wetter



Witterung: schön

Wind: frischer Gegenwind

mittlere Temperatur: 21°C



Sonstiges



Pannen: keine

Bemerkungen: Hoehen ueber NN nicht exakt



Tagebuch :



Nach noch ein paar Kilometern Puszta-Zickzack erreiche ich bei Tass einen mir schon bekannten Ort. Am Ortseingang ist die Kreuzung, an der ich am 15. August diejenige ungarische Bundesstrasse erreichte, die bis nach Jugoslawien fuehrt und auf der ich erstmals so richtig Urlaubsgefuehle hatte. Ab hier fahre ich jetzt eine Strecke, die ich schon kenne: ueber die Csepel-Insel zwischen kleiner und grosser Donau, dort, wo es die vielen kleinen Paradise zu entdecken gibt, geht es zurueck bis nach Budapest. Ja, Mensch, Donau! Man sieht sich eben immer zwei mal im Leben!

Meine Tour ist hier nun endgueltig zu Ende. Zur Belohnung gucke ich im Pizza-Hut ueberhaupt nicht auf die Preise, meine VISA im Hinterkopf haltend. Und als kleines Bonbon am Ende der Reise: das Pizza-Hut-Kreditkartengeraet kann meine etwas rampunierte Karte nicht lesen. Dem Kellner ist die Alarmstufe rot in seinem Gesicht deutlich anzusehen. Schliesslich hatte ich zuvor eigens gefragt, ob sie Kreditkarten akzeptieren, da ich heute abend noch den Zug nach Hause nehmen wuerde und deshalb kein ungarisches Bargeld mehr haette. Aber wer wird denn hier gleich nervoes werden?? - Es kommt also mein Survival-Package zum Einsatz: tief unten im Gepaeck, hinter dem Reissverschluss der Hosentasche meiner Treckinghose, lagert meine Mastercard und 150 Survival-Euro, etwa zwei Zentimeter dick in Tesafilm eingewickelt, fuer Notfaelle wie diesen oder schlimmere.

Ich bin am Ziel, beziehungsweise weit darüber hinaus. Ich habe mir einen Traum erfuellt und dabei mein Ziel um 1600 Kilometer uebertroffen. Habe Momente fantastischer Einsamkeit und unbegreifliche Schönheit, ausufernden Gegenwindszorn und unertraegliche Haesslichkeit und vieles, vieles mehr erlebt. Gute Gruende, Danke zu sagen! Danke an mein Fahrrad, das trotz aller Strapazen sogar meine Gegenwindswutausbrueche geduldig ertragen hat und so, sooo tapfer war. Und Danke an alle die, die geholfen haben, diesen Traum wahr werden zu lassen, die mich in irgendeiner Weise unterstuetzt haben. Danke insbesondere an Ralf Pfeiffer, der Knie reparieren kann, an Papa und Helga dafuer, dass ich ueberhaupt in dieser Form Student sein kann, Danke an Jan, den Privatfahrradinspekteur sowie an Heike, Mehmet und Gesa fuer den Home-Service, an Moritz fuer den Gepaecktraeger, Mama fuer die Urlaubskasse und das Mitfiebern, Thomas Froitzheim von Bikeromania, Markus Ebner von Donaulauf.de, Branislav und Oliver aus Belgrad, Stefan aus Wien, Arnold aus Bergisch-Gladbach und Peter aus irgendwo in Österreich, die mir alle viele nuetzliche Tipps gegeben haben, Danke an Alex aus Wien für den Paketdienst und die Sightseeing-Tour, und Danke an Petra, Sybille, Rebecca und viele andere, die einfach an mich geglaubt und mir Mut gemacht haben. - - - Danke!!

 
Reisebericht aus Gesamtresume vom 12.09.02 (rsbrt0048) 
Eine gigantische Tour - wenn auch mit heftigen Wetter-Strapazen
 
Meine in jeder Hinsicht gigantische Sommertour 2002 führte von der Donauquelle in Donaueschingen weitestgehend an der Donau entlang über Ulm, Passau, Wien, Budapest, Vukovar, Novi Sad, Beograd, Bela Crkva, Calafat, Corabia, Giurgiu, Calarasi nach Mangalia an der Schwarzmeerküste, dann nach Tulcea und Sulina im Donaudelta und dann über Braila, über den Giuvala-Pass (1222 müNN) über die Karpaten nach Brams zum dortigen Dracula-Schloss und über Brasov, Sibiu, Arad und Szeged zurück nach Budapest.

Somit habe ich die Länder Deutschland, Österreich, Slovakei, Ungarn, Kroatien, Jugoslawien und Rumänien durchfahren, die meiste Zeit aber in Rumänien verbracht.

Auf den Punkt gebracht...

Angesichts der Länge dieser Tour will ich mich in der Grobbeschreibung nicht in Details verlieren und stattdessen ein paar Dinge auf den Punkt bringen:

Ich habe während der sechs Wochen nicht ein einziges mal und in keinem einzigen Land - auch und vor allem nicht in Rumänien - Angst um meine persönliche Sicherheit gehabt.



Ebenfalls musste ich kein mal um mein Hab und Gut fürchten. Zum Einkaufen oder an Internetcafés habe ich mein Fahrrad mitsamt allem Gepäck außer Wertsachen auf dem Bürgersteig zurückgelassen - ohne Probleme.



Die Menschen waren fast immer und überall überaus zuvorkommend, hilfbereit und nett.



Ich habe auf der ganzen Tour keine einzige Kakalake gesehen.



Auch Bären, Wölfe und anderes Getier Rumäniens kam mir nicht zu Gesicht. Ich habe zwei Schlangen gesehen, die aber beide freundlicherweise von einem Auto überfahren wurden, bevor ich ihnen begegnete.



Einzige animalische Belästigung waren sträunernde Hunde. Vor allem in Südrumänien wurde ich zu Spitzenzeiten von um die fünf bis acht Hunden zugleich "angefallen". Das Problem nervt aber nur und stellt keine tatsächliche Gefahr dar, weil die Köter überwiegend maximal kniegroß sind und sich schon alleine durch durch Drohgebärde mit einem Stein in der Hand vertreiben lassen. Wenn das nicht hilft, hilft tatsächliches Werfen. Und sollte selbst das scheitern (bei mir einmal vorgekommen) so kann ein Döschen Pfefferspray in Griffbereitschaft nützlich sein.



Überfahrene Tierkadaver liegen im Osten auf den Straßen herum, als wären sie Kieselsteine. Katzen, Igel, Vögel, Fredchen, Hasen, Wiesel, Schlangen und vor allem: Hunde. Unzählige, hunderte und aberhunderte auf unterschiedlichste Weise überfahrene Hunde. Entweder vollständig zerquetscht oder mit herausquellenden Innereien und in den unterschiedlichsten Verwesungsstadien - was nicht ganz ohne Geruch einhergeht. Die Kadaver liegen auch mitten in Dörfern herum. Es kümmert sich niemand darum.



Mücken sind ein lokal sehr unterscheidlich großes Problem. In den Sumpf- und Auengebieten der Donau ist man durchaus in derer großer Gesellschaft. Entfernt man sich vom Wasser, wird es gleich erträglicher. Ich habe das Problem eingrenzen können, indem ich bei Ankunft am auserkorenen Campingplatz sofort lange Kleidung angezogen habe, egal wie warm es noch war, und die dann noch freiliegenden Hautflächen mit Autan eingesprüht habe. Autan funktioniert entgegen anders lautenden Gerüchten wirklich. Sogar dann, wenn man zehn Tage nicht mehr geduscht hat. Es verhindertr aber nur, dass die Mücken stechen, und nicht, dass sie nerven. Man muss also etwas die Ruhe bewahren.



Im Osten existieren viele der in Autokarten oder Guides genannten Campingplätze nicht oder nicht mehr. Es gibt aber Wildcampingmöglichkeiten en mass. Ich habe in Rumänien fast ausschließlich wild gezeltet und zwar alleine. Ohne auch nur den Hauch irgendwelcher Probleme. Vorbeikommende Hirten mit ihrem Vieh oder Kutschfahrer haben mir freundlich gewunken und mir eine gute Nacht gewünscht.



Natürlich kann eine Tour dieser Länge nicht ausschließlich wunderschön sein. Einige Etappen oder Abschnitte waren auch von bemerkenswerter Hässlichkeit. Näheres hierzu in den entsprechenden Tagebucheinträgen.



In Richtung Osten, ab Budapest, sinkt die Zahl der Fahrradwege drastisch



Der Autoverkehr ist teilweise eine Tortur. Ab Ungarn hupen viele Autofahrer, bevor sie überholen, überholen dafür aber in jeder erdenklichen Verkehrssituation: vor Kurven, vor Bergkuppen, bei Gegenverkehr. Fahrradfahrer existieren hier quasi nicht. Wenn die Straße mal zu eng wird, hat der Fahrradfahrer gefälligst in den Graben zu fahren; mir mehrmals passiert. Man braucht auf den Bundesstraßen im Osten also durchaus starke Nerven.



Ich empfehle deshalb, möglichst Nebenstraßen zu benutzen, deren Qulität allerdings oft haarsträubend ist.



Zur Orientierung auf Nebenstraßen empfehle ich sowohl für Ungarn als auch für Rumänien den jeweiligen Autoatals in 1:250.000 aus dem ungarischen Dimap-Verlag, die man entweder online oder vor Ort an Tankstellen kaufen kann.



Die Versorgungslage in Rumänien ist entgegen anders lautenden Gerüchten unkrtitsch. In jedem noch so kleinen Dorf gibt es einen kleinen Laden, man kriegt nur nicht immer unbedingt das, was man gerne hätte. Dann muss halt auch mal Gänseleberpastete aufs Brot statt Marmelade. Lebensmittel kann man auch sonntags einkaufen.



Was man in rumänischen Dörfern (vor allem in Südrumänien) beispielsweise schlecht bis gar nicht bekommt: Autan, Fahrradersatzteile, Karten/Atlanten, Müsli, Vollkornbrot, 100%ige Fruchtsäfte, Tee, Batterien.



Einziges, übliches Brot in Ungarn und Rumänien ist ein ziemlich inhaltsloses aufgepumptes Weißbrot. Wer viele gute Kolenhydrate gewohnt ist, muss davon recht viel futtern, um satt zu werden.



Es gibt in jeder kleineren Stadt eine Bank, meistens mit Geldautomat. Die deutsche Raiffeisenbank ist in Rumänien sehr populär, deren Geldautomaten SEEEHR VEREINZELT sogar EC-Karten akzeptieren. Ansonsten wird VISA fast überall akzeptiert.



Die Temperatur hat auf meiner Reise von August bis September 33°C tagsüber in der prallen Sonne nicht über- und 8°C nachts in den Bergen nicht unterschritten. Auch in Rumänien regnet es manchmal!



Es gibt jede Menge Internetcafés, die obendrein superbillig sind. Allerdings ist ist die Anbindung oft nicht besonders gut, ebenfalls die Ausstattung (z.B. flackernde 15'-Monitore)



Partys in Rumänien zeichnen sich durch gute Laune aus und kosten ca. 60 Eurocent Eintritt.



Ab Budapest muss man sich oft tagelang von der Donau verabschieden, weil man ein paar Kilometer von ihr entfernt fahren muss. Man kann natürlich immer grob ihrer Hauptstromrichtung folgen, sie aber nicht immer sehen.



Ich kann die These NICHT bestätigen, dass Südrumänien langweilig sei. Die Landschaft ist keineswegs nur flach wie ein Schachbrett, sondern gebietsweise sehr hübsch hügelig. Außerdem ist Südrumänien einfach von seiner Lebensart her wahnsinnig sehenswert, weil dort noch ein ganz anderer Wind weht als z.B. nordseits der Karpaten.

Summe der Etappendaten

Entfernung: 4638.03 km

Fahrzeit: 228:10:48 h (= 9.51 ganze Tage)

Stehzeit/Pausen: 94:36:02 h

Pause pro Etappe: 02:09:00 h

Pause pro 100 km: 02:02:22 h

längste Etappe: 212.87 km

Summe der Geschwindigkeiten

Durchschnitt ohne Stehzeiten: 20.33 km/h

Durchschnitt mit Stehzeiten: 14.37 km/h

Maximalgeschwindigkeit: 66 km/h

Summe der Höhenmeter

Aufwärtsfahrten gesamt: 5335 m

Abwärtsfahrten gesamt: 5835 m

Höchster Start-/Zielort : Giuvala-Pass -> Tohanu Nov: 1222 m üNN

Windverhältnisse

windstill: 7 Etappen (350.1 km)

Windverhltn. durchwachsen: 13 Etappen (1249.65 km)

leichter Gegenwind: 7 Etappen (819.12 km)

frischer Gegenwind: 5 Etappen (560.45 km)

starker Gegenwind: 2 Etappen (249.51 km)

stürmischer Gegenwind: 0 Etappen (0 km)

leichter Rückenwind: 7 Etappen (839.88 km)

frischer Rückenwind: 3 Etappen (569.32 km)

starker Rückenwind: 0 Etappen (0 km)

stürmischer Rückenwind: 0 Etappen (0 km)

Wetterverhältnisse

schön: 21 Etappen (2171.28 km)

wechselhaft: 0 Etappen (0 km)

schwül: 0 Etappen (0 km)

heiter bis wolkig: 14 Etappen (1574.14 km)

bewölkt: 2 Etappen (149.52 km)

Nieselregen / Schauer: 6 Etappen (659.38 km)

Dauerregen: 0 Etappen (0 km)

sintflutartiger Regen: 1 Etappen (83.71 km)

Anzahl Pannen

Reifenpannen: 5

Pannen an Schaltung: 0

Kettenrisse: 0

Pannen an Rahmen / Stabilität: 1